Diese in Anlehnung an Fritz von Herzmanovsky Orlandos „Exzellenzen Ausstopfen, ein Unfug?“ gestellte Frage beantworte ich mit einem unklaren Nein in Übereinstimmung  zu der nach Angelo Solimans postmortalem Schicksal. Die Dermoplastik des wahrscheinlich aus Nigeria stammenden Freimaurers war ja auf Wunsch des Doppelkaisers Franz II./I. Im kk Hofnaturalienkabinett ausgestellt worden und in den Revolutionswirren 1848 verbrannt. Wie weit das unter dem hypnotischen Einfluss von des Kaisers Psychotherapeuten Franz von Wirer geschah, ist umstritten. Jedenfalls ist dieser antiaufklärerische Akt, falls vom Betroffenen abgelehnt, sicher nicht im Sinne des Monsters, es sei gepriesen, erfolgt und fand deshalb auch sein pyrotechnisches Ende, das einer posthumen Enttaufung entspricht.

Nach der unklar mit ja beantworteten Frage Herzmanovskys kehre ich zur ebenso zu beantwortenden Titelfrage zurück. Der südafrikanische Mönch Suitbert Hellinger schaffte einen von Intensivfasten begleiteten, fast schon kartäuserischen Rückzug von dieser Welt, der ihn befähigte, eine, allen Regeln der Psychotherapie widersprechende Methode, die Familienaufstellung, zu entwickeln. Die Konfrontation mit dem Stammbaum Childerichs III. In „Die Merowinger oder die totale Familie“ von Heimito von Doderer beschleunigte seinen Eingang in die große Gruppe missverstandener Genies, die noch heute zahlreiche psychiatrische Kliniken füllen. Childerich III. schaffte es mit seiner komplizierten Heiratspolitik sogar, eigener Großvater zu werden. Einem österreichischen  Jünger Hellingers gelang es, ihn mit historischen Phantasien, die leider humorbefreit nicht Herzmanovskys oder Doderers Interpretationen folgen, zu übertreffen. Diesem Weltenerretter stand es nicht an, die universitären Ansätze zur Verknüpfung von Psychologie und Geschiche nach Ali Al-Roubaie aus dem Kerker der Schulweisheit zu befreien. Er gründete sein auf Felix Dahn aufbauendes eigenes Geschichtsbild, das wegen seiner Einmaligkeit auch seines bleiben wird, weshalb ich es hier nicht zitiere.

Die alte Weisheit „mater semper certa est“, die vernünftigerweise Angehörige der mosaischen Religion über die x-Chromosomen und nicht über die Haplogruppen definiert, dürfte an den Familienaufstellern unreflektiert vorbeigegangen sein. Schöne Beispiele von Kuckukskindern liefert nicht nur der schon früh globalisiernde Hochadel. Die Royals stehen hier wieder ganz vorn. Die sich Windsor nennenden Coburger Nachfolger der Hannoveraner auf dem britischen Thron sind immer für inoffizielle Stallmeistereinkreuzungen gut. Dagegen ist die nicht unwahrscheinliche Vaterschaft Franz-Joseph I. an Ian Masaryk ein Lercherlschas. Immerhin bewiesen die spanischen Habsburger, dass fundamental religiös bedingte genetische Verarmung in den Untergang führt. Die österreichsche Linie lebt wenigsten  in den XX-Chromosomen weiter, ohne den Familiennamen Habsburg gegen Lothringen zu tauschen.  Nicht zu übersehen sind aber auch Fehltritte der Ahnen von sich stolz auf proletarische Vorfahren berufenden Sozialaufsteigern. Wenn sie, vom Hafer gestochen, von einem der zahlreichen privaten Genanalyselabors Befunde einholen, landen sie zumindest in Europa nicht bei Minenarbeitern und Putzfrauen sondern bei Charlemagne als Vorfahren. Der sollte daher bei jeder Familienaufstellung dabei sein und ihre Basis bilden. Wer dann noch freiwillig seine Dublonen ohne Entermesser am Hals für Familienaufstellungen berappt, hat nichts Anderes verdient.

Dagegen ist die Piratenaufstellung nach Berta Dunkelfelder nach aktueller epigenetischer Forschung wissenschaftlich fundiert. Die Entfernung des epigenetischen Schalters vom beleidigten Gen erinnert zwar an Transpiratismus, der sich nicht von Transpiration ableitet sondern mit Pirat den ethisch perfekten Menschen meint, fällt aber in die Biologie.  Sollte der Schalter klemmen, hilft bei karibischen Piraten ein Schuß Rum, bei den Vitalienbrüdern Aquavit. Die Grenzen zum Transpiratismus sind klar und unüberbrückbar zu ziehen. Wer sein Holzbein gegen eine Neuroprothese oder die Augenklappe gegen eine hochauflösende Autofocuskamerakugel tauscht, ist so lange kielzuholen bis er freiwillig vom Mastkorb über die Planke springt (oder doch nicht?).

Piratenaufstellung sinnvollerweise in Reih und Glied, liefert hingegen einen raschen Eindruck von der Kampfstärke einer Mannschaft vor freibeuterischen Aktionen. Die Genealogie ist hier ziemlich klar und Psychotherapeuten sind, wenn sie keine Erfahrung im Umgang mit Entermessern haben, unerwünscht, Arrrh. Kapitäne rekrutieren sich oft aus fahnenflüchtigen Marineoffizieren mit dem oben besprochenen Aristokratenproblem. Manchmal steigen sie auch aus der Mannschaft auf, die mehrheitlich in irgendeiner Generation von Prostituierten abstammt. Hautfarbe ist, wie beim Adel kein Problem. Möglicherweise, die Frage ist noch immer offen, wünschte der aufgeklärte Angelo Soliman im Gedenken an die Piraten, die ihn als Kind geraubt hatten, sogar selbst, ausgestopft zu werden, weil seine Leiche im tiefsten Binnenland keine Chance auf den ehrenvollen piratischen Abgang über die Planke gehabt hätte. Seinen Enkel, den Berbgauingenieur und Chefsalzsieder in Aussee, Eduard von Feuchtersleben störte es nicht, seine Tochter schon noch. Was soll es, die von Joseph II. forcierte Aufklärung erreichte schon seinen Nachfolger nicht mehr und blieb selbst demokratisch gewählten Politikern des 21. Jhs. mehrheitlich versagt. Bedauerlich für uns gläubige Pastafari ist lediglich Eduard von Feuchtlebens und seines Großvaters mangelnder Glaube an das FSM und den Biervulkan samt Stripper*Innenfabrik.

 

R’amen

Euer Hugo

Abb.:

www.kostuem-rainer-stegemann.de/piraten.htm

Heimito v. Doderer, Die Merowinger oder Die totale Familie, Biedenstein München 1975, Stammtafel

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