Mein mäßig erfolgreicher Geschenkverpackungsversuch zu Newtons Geburtstag ließ mich nicht ruhen. Glücklicherweise hatte ich zu ebendiesem Termin von einer meiner Töchter eine erst einmal recycelte Folie im passenden Format erhalten und gehortet. Aus Platzgründen erspar ich Euch die Beschreibung der vorherigen Inhalte der Folie. Die Erfassung der vorvorigen hätte ziemlich umfangreicher Recherche bedurft. Das Objekt selbst ist defizitär in sonst bibliophil gut ausgestatten Pastafarihaushalten vertreten und wurde aus genau diesem Grund als schenkenswert ausgewählt.

Bezüglich des nudligen Bindematerials erweiterte ich die Feldforschung um drei Häuserblöcke und wurde beim Diskonter fündig. Die hier im routiniert piratischen Handstreich, Arrrh…, erbeuteten Tagliatelle versprachen endlich eine perfekte Nudelbindung, nicht zu verwechseln mit der textile Flächen formenden Nadelbindung. Nudelbindung hat auch mit queerer SM-Erotik nichts gemeinsam. Sie ist schlicht eine im Experimentierstadium befindliche pastafarische Verpackungstechnik. Ein Anlass für ihren Einsatz ergab sich zwanglos mit dem Geburtstag meines/r Vater*In/s -oder doch neutral Elters?- unserer sonst egalitären Glaubensgemeinschaft.

Nach der etwas zu knausrig kalkulierten Trockenschrumpfung des Bindematerials entstand der dringende Bedarf zur Fortsetzung der Versuchsreihe mit neu berechneten Längenänderungswerten. Das Schicksal, also höchstwahrscheinlich das Monster, wollte es aber anders. Der Rest des Packungsinhalts war längst freitäglichen Kultmahlen geopfert und ich machte mich an die Nachschubexpedition. Fassungslos stand ich dann im pasta- und klopapierbefreiten Supermarkt. Eine Pandemie hatte uns nicht nur von den bisher kaum wahrgenommenen Beständen eines dünnen, entfernt bierähnlichen, überteuerten, mexikanischen Getränks befreit, sondern auch von gerade für Pastafari Lebenswichtigem. Auf Klopapier kann ich ja zur Not verzichten und wie in alten Zeiten ungelesene Gratiszeitungen einer sekundären Verwendung zuführen. Diese Form des Recyclings kommt auch den Herausgebern zu Gute, weil bei längeren Sitzungen ihre Produkte zumindest partiell gelesen werden. Bezüglich der Saugfähigkeit liegen die Billigprodukte klar vor Hochglanzjournalen. Das Dreilagige hingegen erfüllt ja nur zu sportlichen Großevents einen Bildungsauftrag. So konnte ich mir zur letzten WM eine Unzahl an Kranklsagern reinziehen. Onlinezeitungen sind weniger für hinterlistigen Gebrauch geeignet. Die Absenz bindungstauglicher Teigwaren aber, versetzte mich in Panik. Hatten sich da doch falsche Visionäre mit Pasta und Dreilagigem bis zu ihrem Lebensende und dem aktuellen Norton ausgestattet, in ihre virensicheren Bunker zurückgezogen.

Ich befürchte, dass meine persönliche Pastaproduktion bis zur Nudelbindungsreife viele Jahre brauchen wird. Derzeit ist sie in Notfällen gerade noch für Haluska geeignet. Das Resultat meiner Verpackungsversuche ist entsprechend peinlich, darf in der herrschenden Pandemie aber sowieso nur ansteckungsvermeidend über das Türdackerl, möglicherweise korrekter Fußabstreifer, nach terminvereinbarendem Handykontakt weitergereicht werden.

Wegen unvorhersehbarer Vorkommnisse kam es trotz akribischer Logistik dann doch zur persönlichen Übergabe, das Monster möge uns behüten. Ich hatte vergessen, vorher die vampirverscheuchende, in allen Lebenslagen soziale Distanz erzeugende Knolle zu kauen.

 

Hier bietet sich die einmalige Chance, dem unermüdlichen Kämpfer für unsere einzig wahre Kirche, noch rechtzeitig zu gratulieren, liebe Geschwister im Glauben. Mit monsterwohlgefälligem Gerstensaft (weder Corona noch Bud) werden wir ihn beim nächsten gemeinsamen Kultmahl, selbst wenn es erst zu den Saturnalien möglich sein wird, hochleben lassen, Arrr…

Die Diskrepanz zwischen dem strahlenden Nudelprediger und dem eher düster wirkenden Cthulhujünger hat rein phototechnische Ursachen. Überhaupt hatte ich nur versehentlich, als ein von Bobby Henderson Ordinierter, die falsche Amtstracht angelegt. Wie nicht anders zu erwarten, ist das Coronavirus daran schuld und nicht meine Demenz.
R’amen
Euer Hugo/Helmut

Abbildungen: Helmut Windl

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