Betreff: Dreifaltigkeit und Aussehen des Fliegenden Spaghettimonsters

Absender: Dekanat<Arrgh>FSM-Hinterbruehl.at
Empfänger: FAQ-Stellinus<Arrgh>FAQ-FSM.de

Betreff: Dreifaltigkeit und Aussehen des Fliegenden Spaghettimonsters

Hallo und RAmen, Bruder!

Wir in Hinterbrühl haben nun eine Handvoll Piraten zusammengetrommelt und wollen eine echte pastafarianische Kirche in unserer Ortschaft aufbauen. Wir möchten dem Fliegenden Spaghettimonster in angemessener Weise huldigen und keine Seiner acht Am liebsten wäre mir’s übertreten. Viele Diskussionen zu Unserem Lieben Monster wurden während strenger Askese mit Pasta und Bier durchgeführt, wobei etliche Fragen geklärt werden konnten. Leider reichten weder unser Wissen noch unsere spirituellen Eingebungen zur eindeutigen Auslegung des Evangeliums unseres Propheten Bobby aus. Wir werden uns daher auch in Zukunft mit Fragen an dich wenden.

Zuerst haben wir folgende Frage: In anderen Religionen wird die jeweilige Gottheit oftmals dreigespalten oder dreifaltig dargestellt. Ist das Fliegende Spaghettimonster auch dreifaltig? Sind Seine gestielten Augen, Seine den Hackbällchen ähnlichen Teile und die Nudeligen Anhängsel die drei Ausprägungen Seiner Dreifaltigkeit? Oder sollen wir Es als einen Verbund von Weizen, Ei und Natriumchlorid sehen? Aber wo wären dann Tomaten, Knoblauch und Käse einzuordnen? Ganz zu schweigen von Bier, Grog und tropischen Fruchtsäften.

Arrgh,
Tomatina Bierella Maier
Eure Sista in Pasta

Antwort von FAQ-Stellinus<Arrgh>FAQ-FSM.de

Hallo liebe Pastafari aus dem schönen Österreich!

Auch von mir zuerst ein herzliches Willkommen in Pasta und viel Erfolg eurer Gemeinde. Seine Nudeligen Anhängsel haben euch doppelt auf den rechten Weg geführt: Sowohl die Gründung Gemeinde als auch, dass ihr euch an mich zur Klärung offener pastafarianischer Fragen wendet, sind göttliche Fügungen.

Eure aktuelle Frage ist sehr interessant, denn wir leben ja alle in einem christlich beeinflussten Land und das Christentum hat einen dreifältigen Gott. Sehen wir uns erst einmal an, was Wikipedia zur Dreifaltigkeit von verschiedensten Göttern zu sagen hat:

„Dreifaltigkeit, Dreieinigkeit oder Trinität (lateinisch trinitas; altgriechisch Trias ‚Dreizahl‘, ‚Dreiheit‘) bezeichnet in der christlichen Theologie die Wesenseinheit Gottes in drei Personen oder Hypostasen, nicht drei Substanzen. Diese werden „Vater“ (Gott der Vater, Gott Vater oder Gottvater), „Sohn“ (Jesus Christus, Sohn Gottes oder Gott Sohn) und „Heiliger Geist“ (Geist Gottes) genannt. Damit wird zugleich ihre Unterscheidung und ihre unauflösbare Einheit ausgedrückt. [..]

Die Vorstellung von einer göttlichen Dreiheit (Trias) gibt es auch in anderen Religionen. Inwieweit vorchristliche antike Konzepte Analogien zur Trinitätslehre aufweisen oder sogar deren Entstehung beeinflusst haben, ist umstritten. Im Judentum und im Islam wird das Konzept der Trinität abgelehnt. [..]

Göttliche Triaden (Dreiheiten, d. h. drei verschiedene, zusammengehörende Gottheiten), oft bestehend aus Vater, Mutter und Kind, sind aus den meisten Mythologien bekannt, beispielsweise in der römischen Mythologie Jupiter, Juno und Minerva oder Osiris, Isis, und Horus Minerva in der ägyptischen Mythologie. [..]

Die keltische Morrigan oder die Matronen, oft als drei verschiedene Personen abgebildet: als Jungfrau („Liebesgöttin“), als Mutter („Fruchtbarkeitsgöttin“) und als Altes Weib („Todesgöttin“) – jeweils zuständig für den Frühling, den Sommer und den Winter – alles Manifestationen derselben Göttin. [..]

Im Hinduismus die Einheit der drei Aspekte von Gott in seinen Formen als Schöpfer Brahma, als Erhalter Vishnu und Zerstörer Shiva. [..]

Sarasvati – der Schöpferin, Lakshmi – der Erhaltenden und Kali – der Zerstörerin.

Der Zen-Buddhismus unterscheidet einen dreifachen Buddha-Leib (Trikaya) [..]“

Die Idee der Dreifaltigkeit ist somit, wie der aktuelle Stand der Forschung zeigt, in vielen Religionen bekannt und sehr alt (in Ägypten rund 4500 Jahre). Aber nicht alle Religionen basieren auf so einer theo-anatomischen Vorstellung.

Ist dem Lieben Monster nun eine ähnliche Trinität zuzusprechen, wie z. B. Kohlehydrate, Proteine und Fette? Stielaugen, Hackbällchen und nudelige Anhängsel? Tomaten, Mozzarella, Basilikum und Olivenöl?

Hier müssen wir ehrlich sagen: Wir wissen es nicht. Im Evangelium nach Bobby Henderson (gepriesen sei Sein Name) ist das Aussehen unseres Monsters beschrieben. Aussagen über eine etwaige Mehrfaltigkeit werden aber dort nicht gemacht. Daher müssen wir nun selbst überlegen.

Fragen die hier auftreten:

  1. Muss sich ein Wesen mit der Macht (allmächtig, allwissend, allgegenwärtig, …) Unseres Monsters überhaupt aufspalten?
  2. Welche Vorteile hätte Es davon, drei- oder n-gestaltig zu sein?
  3. Ist Sein Aussehen eigentlich festgelegt?

Zu 1.
Eine Aufspaltung oder Aufgabenteilung ist ja aus den prinzipiellen Eigenschaften nicht notwendig, da das Monster ja schon überall ist, alles weiß und alles tun kann, wenn Es so will. Warum dann eine Aufspaltung? Selbst Weizen, Ei und Salz werden im Wasser Eins.

Zu 2.
Aus der Macht des FSM können wir schließen, das eine Dreigestalt keine Vorteile für das FSM hat. Da Unser Liebes Monster allmächtig, allwissend, allgegenwärtig etc. udergl. ist, wären natürlich auch die drei einzelnen Gestalten bzw. Hypostasen ebenfalls mit diesen Kräften ausgestattet. Da ergibt sich wenig Sinn, wenn das FSM Sich aufspaltet, um „Aufgaben zu erledigen“. Seine Nudeligkeit ist ohnehin für eine total desorganisierte Organistaion, die auf einer Netzstruktur aufbaut, ausgelegt.

Zu 3.
Da Unser Fliegendes Spaghettimonster allmächtig ist, kann Es sich natürlich auch in jeder beliebigen Form Seinen Auserwählten zeigen. Sein Aussehen ist also insofern nicht eingeschränkt. Damit Seine Anhänger Es aber leichter erkennen können, ist Sein doch recht einheitliches Erscheinungsbild für die Wiedererkennung viel besser. Sein Aussehen kann daher nicht für die Ableitung von Eigenschaften, über die im Evangelium offenbarten hinaus, genutzt werden. Doch wer sind wir, um Sein wandelbares Äußeres festzulegen?

Schwestern und Brüder, lobet Unser Nudeliges Monster ob Seiner Klugheit!

RAmen,

Euer Bruder Stellinus

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*) Aus datenrechtlichen Gründen sind Kontaktinformationen pseudonymisiert.

Nächster Brief: Was ist im Pastafaritum „heilig“?

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