Mozart, ein guter Pirat

Dem Blog des Musikhauses Thomann sei’s gedankt, dass wir ein musikalisches Genie als unseren Vorfahren im Monster okkupieren können. Wieder ist der Beweis gelungen, dass Piraten die Guten waren und nur durch geschmacklose Desavouierung von Konkurrenzbekenntnissen in Verruf gerieten.
Deshalb preiset das Monster, Ramen
Euer Hugo
 

War Mozart der erste Musikpirat?

Musikpiraterie ist älter, als die meisten unter uns bislang dachten. Heutzutage kämpft die Musikindustrie mit unautorisierten Tonträgern und Internetmusikpiraterie. Eigentlich ein Phänomen unserer hochtechnischen Zeit, möchte man denken. Doch bereits vor fast 250 Jahren wurde eines der musikalischen Geheimnisse des Vatikans von einem gerademal 14-Jährigen gelüftet. Ein Musikpirat? ☠🎵


Musikalisches Mysterium in der Sixtinischen Kapelle

Rom, Sixtinische Kapelle, wir schreiben das Jahr 1770: Seit 140 Jahren wird ausschließlich hier und nur in der Karwoche das „Misere mei, deus“ gesungen. Seit 1630 ist die A-cappella-Partitur des Priesters Gregorio Allegri ein behütetes Geheimnis des Vatikans. Verbreitung und auch die Aufführung an anderen Tagen vom Papst Urban VIII streng verboten. Wer es trotzdem macht, dem droht die Exkommunikation. Das Chorwerk ist in den Augen und Ohren des Papstes so himmelsnah und perfekt, dass er es mit niemandem teilen mag. Und das Wort des Papstes ist Gesetz.


Ohne Kopiermedium keine Kopie – klerikale Verschwiegenheit

Der verordnete „Kopierschutz“ ist – so glaubt der Vatikan – recht einfach. Immerhin reden wir von der Zeit von Barock bis Wiener Klassik. Es gibt lediglich die von Hand geschriebene Partitur. Gibt man die nicht aus den Händen, kann sie auch nicht einfach kopiert werden. Außerdem ist der Chor- und Stimmensatz im Miserere viel zu komplex, als dass man ihn einfach im Gehirn mit nach Hause hätte nehmen und dort auf Papier bringen können. Die Geheimhaltung sollte also kein Problem sein.

14-year-old Mozart


Kongenialer Pirat, kreativer Dieb oder Whistleblower?

War Mozart damit nun wirklich der erste „Musikpirat“? Nun, nach heutigen Gesichtspunkten nicht wirklich. Er hatte lediglich ein Lied aufgeschrieben, ohne es verbreiten oder einen wirtschaftlichen Gewinn daraus ziehen zu wollen. Illegal geprägte Tonträger konnte es nicht geben, weil kopierbare Tonträger und Technologien noch nicht erfunden waren. Und von Internetmusikpiraterie war man im wahrsten Sinne des Wortes Jahrhunderte entfernt. Wolfgang Amadeus Mozart hat dem „Miserere mei, deus“ als unbedarfter Jugendlicher mit Genialität, absolutem Gehör und vollkommener Unbedarftheit die musikalische Freiheit gegeben. Vielleicht einigen wir uns eher auf den Begriff „erster musikalischer Whistleblower“.


Ehre und Vergeben statt Bestrafung und Kirchenausschluss

Interessant auch, dass Mozart keinesfalls bestraft wurde; ganz im Gegenteil. Der Papst war von seinen außergewöhnlichen Fähigkeiten absolut beeindruckt und verlieh ihm den Titel „Ritter vom goldenen Sporn“. Zur Verdeutlichung des Schwierigkeitsgrades: Das Miserere ist ein Chorsatz für neun Stimmen. Während ein fünfstimmiger Chor eine Version des Stückes singt, singt ein weiterer vierstimmiger Chor an anderer Stelle des Raumes eine ornamentierte Variante. Und zwar mit einer Länge von etwa 12 – 13 Minuten, wobei es etliche abweichende Versionen gibt. Das alles im Kopf parken und transkribieren? Respekt!


Kein Freibrief für Musikpiraterie

Übrigens sollen diese Zeilen selbstverständlich keine Hommage an Musikpiraten sein. Die Musikindustrie, auch die Komponisten, Texter und Musiker leiden ganz besonders unter der unautorisierten Verbreitung ihrer Songs und Werke. Geschätzt wird, dass nur noch Falschgeld eine höhere Gewinnspanne als die Musikpiraterie hat. Verblüffend, oder? Also bitte nicht.

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Franziska startete ihre Musiklaufbahn an der Violine und ist heute musikalisch zwischen Smetana und In Flames zu Hause. In ihrer Freizeit engagiert sie sich in allerlei Kulturbereichen und lebt ihre Leidenschaft – die Kunst – in all ihren Facetten.

Ein Kommentar

Also, wenn die Musikpiraterie mithilft, die Massenmusikindustrie zu ruinieren, dann ist jedes Mittel zum Zweck heilig! Also helft alle mit! Geht in Konzerte und sorgt dafür, dass die Musiker so ihre Unterstützung bekommen, aber gebt bitte bitte kein Geld aus, dass nur die Gier irgendwelcher Labelinhaber nährt, denen ist nämlich der eigentliche Urheber sprich Künstler egal!

Von |29.11.2019|0 Kommentare

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