Eine queerfeministische Analyse der „Gospel of the Flying Spaghetti Monster” unseres Propheten Bobby Henderson

Verfasst von: Schwester Eva Rosina, Gründungsmitglied des feministischen Ordens Les Femmes Farfalle der KdFSM Österreich

Verwiesen wird im ganzen Text auf folgende Ausgabe des Heiligen Textes: Henderson, Bobby: The Gospel of the Flying Spaghetti Monster. New York: HarperCollinsPublishers 2006.

Teil 4: hier.

Sex- und Body-Positivity

Die Beschäftigung mit Körperlichkeit und Sexualität ist keine Ausnahme von dem bereits beobachteten Phänomen, dass in der Gospel Widersprüchlichkeit angelegt ist. Das Fliegende Spaghettimonster liebt uns als selbstständig denkende Wesen, deren Gesellschaft sich durch eigenständige Erkenntnis und Emanzipation weiterentwickeln soll – sonst hätte es uns von Anfang an perfekt erschaffen können. Demnach finden sich Versatzstücke gesellschaftspolitischer Debatten in der Gospel, die aber keine stringente Lehre ergeben, sondern – teilweise sogar als radikale Antithesen – unsere diskursive Aufarbeitung anregen.

Einerseits ist Pastafarianismus definitiv die sexpositivste Religion: Der Prophet ruft zu „Loving with Passion“ (100) auf und befürwortet Sex zwischen „Willing, Consenting“ Partner*innen „Of Legal Age AND Mental Maturity“ (vgl. 100) und betont, dass mit anderen Menschen dabei nur so umgegangen werden soll, wie eins selbst behandelt werden will (vgl. 101). Als Ausnahme erwähnt die Nudeligkeit den Fall, wenn die andere Person darauf steht (vgl. 101), womit Es BDSM-Praktiken den Nudeligen Segen gibt. Auch Safer Sex ist dem Monster wichtig, es empfiehlt uns explizit die Verwendung von Kondomen. (vgl. 101)

Gleichzeitig werden „Frauenkörper“ mehrmals durch den Propheten in herablassender Weise beurteilt: In der Gospel gibt es ein sehr stereotypes Gespräch zwischen „boyfriend“ und „girlfriend“, in dem letztere fragt, ob sie in dem Gewand fett aussehe. (vgl. 44) Männer würden keinen Sex mit ihren Frauen haben wollen, wenn diese „fatties“ seien. (vgl. 72) Der erste Mann will in der Schöpfungsgeschichte die erste Frau davon abhalten, ihn für einen Gärtner zu verlassen, indem er sie auf Cellulite „hinweist“. (vgl. 93) „Whore“ wird bezogen auf das Schaf Dolly als Schimpfwort benutzt (wobei das ein Zitat aus unbekannter Quelle ist). (vgl. 114) Die Gynäkologie wird mit Bewunderung als Beispiel für sexuelle Motivation von Wissenschaften angeführt, diese „so-called professsionals“ würden ihr Leben lang „female sex organs“ anschauen. (vgl. 68) Die Pastafarische Hölle ist ähnlich wie der Himmel, nur dass das Bier abgestanden ist und die Stripper*innen Geschlechtskrankheiten haben. (vgl. 83)

Ob die Nudeligkeit monogame oder poly Beziehungen empfiehlt, bleibt unklar: Wir sollen uns „a wench“ bzw. „a Pirate“ suchen (vgl. Teil 3, vgl. 87), wobei der Singular-Artikel „a“ die Interpretationen „genau eins“ oder „mindestens eins“ zulässt. Polygamie wird durch den König von Swaziland persifliert, der angeblich seine zahlreichen Frauen durch eine „Oben-Ohne-Parade“ auswählen würde, was natürlich sowohl extrem übergriffig als auch einseitig poly wäre. (vgl. 209)

Fazit von Teil 1–5

Das FSM ist männlich, inter, non-binary oder hat ein eigenes Gender. Es setzt sich für Frauenrechte ein, ist aber extrem sexistisch. Es betont sexuellen Konsens, bewundert aber die einseitige Auswahl von Ehefrauen. Es hält Männer und Frauen für „Samey-Samey“, aber auch irgendwie nicht. Es spricht sich gegen jegliche Diskriminierung aus, ignoriert aber Personen mit anderem oder keinem Gender. Es findet Homosexualität „perfectly acceptable“, verwendet „homosexual“ und „lesbian“ aber als Schimpfwort. Es befürwortet Sex, Sexarbeit, BDSM und Safer Sex, sieht aber herab auf Leute mit Geschlechtskrankheiten und solche, die nicht gängigen Körpernormen entsprechen. Es ruft zum Kampf gegen Misogynie auf, handelt durch den Propheten aber selbst misogyn.

Es ist offensichtlich, dass Es damit die bei weitem unproblematischste Gottheit unter allen Gottheiten ist.

Ramen.

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