Einen zünftigen Punsch für mein‘ Magen ich machte, 

als plötzlich es draußt im Gewölk schrecklich krachte. 

„Dumpfgummi“, dröhnt’s durch die Wolkenschicht, 

„was ist los mit dir, bist wieder nicht dicht?

Hier stinkt’s bestialisch (und mir wird ganz schlecht!)

Nach toter Katze, man meinen möcht. 

Hamma nicht g‘sagt, kochen tu ich?

Was tust in der Küche? Erkläre dich!“

„Naja“, ich brabbel, „es dürstet mir. 

Und dunkel wird’s heutzutag schon um halb vier. 

S‘ist arschkalt am Balkon, der Garten voll Schnee

So dacht‘ ich mir, es warat schee…“

„Ah!“ rief das Monster, „DIE Ratte hab ich gerochen!

Was ha‘m wir denn übers Denken besprochen?  

Manch einer eignet sich, der and‘re ist dumm,

und bleibt daher besser im Alltag nur stumm. 

Und du bist wer von dieser dummen Sorte,

spar dir daher die Gedanken und Worte. 

Überlassen wir‘s Denken und Kochen brav mir. 

Und jetzt schleich dich raus da bei dieser Tür. 

Und die Brühe, die leeren wir weg…“

Den Punsch ich nie auf den Lippen mehr schmeck.

„Da hast eine Liste, das kaufst du jetzt ein.

Und später werden wir speisen gar fein.“

„Ja, aber ich hab JETZT Durst“, ich in meinen Kragen brumm.

„Da! Kriegst ein Bier. Mach kein‘ Aufstand, kumm, kumm!

Und jetzt hurtig in den Laden gewieselt. 

Beeil dich, bevor es gleich wieder pieselt. 

Sieht nach Regen aus. Oder Eis. Oder Schnee.“ 

Mit dem Wisch in der Hand zum Auto ich geh. 

Also gut, flugs zum Billa. Was haben wir hier? 

Was braucht das liebende, göttlich‘ Getier? 

Honig, Muskat und Ingwer ein Muss? 

Rosen und Orangenblüten zu uns‘rem Genuss?

Anis? Und Pfeffer? und Majoran???

Was ist das schon wieder für ein göttlicher Plan?

Lorbeer? Lavendel? Ob den der Billa hat?

Bei all diesen Wünschen werd ich ganz matt. 

Zum Glück hab ich Monsterchens Bier schon im Bauch. 

Das wärmt mich von innen  (und klug macht es auch)

Ich zisch durchs Geschäft, fast alles ich find. 

Den Pfeffer, den Lorbeer (ich bin ja nicht blind)

Honig und Muskat und das andere Zeug

Doch über Rosen und Orangen das Kreuz ich mir beug.

„Tschuldigung, der Herr, ham Sie Orangenblüten?“

„Nein, aber Mandarinen in Kisten und Tüten.“

„Schaun‘S auf die Lippen. Hab ich Orangen gesagt?“

„Ich hab schon verstanden. Ich bin nicht betagt. 

Ein Blütenwunsch beim Billa ist jedoch fromm.“

„Meine Watschen ich krieg, wenn ohne ich komm!“

„Dann würd‘ ich‘s beim Türken gegenüber probieren.

Und dort in alle Regale rein stieren.“

„Gute Idee, Herr!“ – „Ja, ja, Sie mich auch.“

Am Weg zum Türken eine Kurze ich rauch. 

„Schönen Tag, Sie ham Rosen, wie ich hier seh?“

„Natürlich. Als Öl oder getrocknet für‘n Tee?“

Hier bin ich richtig, ich jubilier!

„Oder Orangenblüten hätten wir auch noch hier!“

„Stopfen‘S all’s in ein Sackerl, ich bin auf Mission!

Und Granatapfelsaft, denn der sei mir der Lohn, 

dass ich mich in der kalten, dunklen Nacht 

allein und hungrig auf den Weg gemacht.“

Ich zahle, ich schleppe, ich halluzinier

am Weg nach Haus zum Göttlich‘ Getier. 

Das Haus ist erleuchtet in Silber und Gold

Als mein Wagen in die Garage rein rollt. 

Da sind Helmut, Michi, Wolfi und die Doris, die Süße

und noch tausend liebende Freundes-Küsse. 

Der Tisch ist gedeckt, die Servietten gebunden

Das Monster trägt einen Kranz aus Misteln gewunden. 

„Meine Lieben“, es grollt, „heut ist eine besondere Nacht

Ich hab euch Spaghetti speciale gemacht. 

Und von euch will ich je eine Flasch‘ Wein. 

Die kommt in den großen Topf dort hinein. 

Und dann noch Gewürze und ein Glas Honig wir schlachten

Und das nennen wir unser gemeinsames WEIN-ACHTEN

Denn auf guten Wein beim Essen man achten soll!

So, und jetzt noch den Parmigiano ich hol.“

Gesagt, getan, jeder bringt seinen Wein: 

Der Helmut als Erster gießt Uhudler rein. 

Und er sagt: „Der ist gelebte Geschichte.“ 

„Gute Wahl. Natürlich – wie immer – ich bei dir pflichte.“

Des Monsters Lob jeder allerliebst findet

Darum Wolfgang vortritt und lautstark verkündet: 

„Ich bring den Vernatsch, ein‘ südtiroler Roten, 

der schmeckt so klass, das gehört fast verboten.

Seine Güte hab ich vom Vater erfahren.

Hab zu viel schon getrunken, als noch Kinder wir waren!“

Das Monster vor Freud mit den Anhängsel klatscht, 

und obendrein mir eine Saftige watscht. 

„Und was hast du, Dumpfgummi?“ – „Chateau Plaisance“, 

ich wangereibend in die Runde raunz, 

„ein guter Bordeaux“, sag ich benommen, 

„und außerdem hab ich ihn geschenkt bekommen.“

„Geschenkt schmeckts am besten!“, das Monsterchen lacht, 

„Und, Michi, was hast du mitgebracht?“

„Einen Badischen No-Name“, der Michi betont, 

„Denn in Ba‘n-Würtenberg hab ich gewohnt. 

Der Wein am Rhein ist gar nicht so schlecht.“

„Ein Franzos‘ und ein Deutscher, ja, das ist gerecht.“

Wir brauen, wir staunen, das Weinderl, es wallt. 

„Was ist mit der Doris?“, meine Zunge, sie lallt. 

„Dumpfgummi, von der Doris ist das Rezept doch gekommen“, 

höre ich das Monster nur noch verschwommen, 

denn der Alk fährt bis hinauf in die Birn 

(Ich möcht nicht behaupten, ich hätte Gehirn)

„So, Martin, was hast du uns gebracht?“,

dröhnt es monsterlich durch die dunkle Nacht. 

„Ich trink ja nicht viel, und wenn dann nur süß

mit einem Vanillekipferl ich dann genieß

Marsala oder Port, was willst du haben?“

„Das Monsterlein dankt für die picksüßen Gaben!“

Die letzte Flasche kommt in den Topf. 

Gewürze und Blüten ins Sackerl ich stopf

Eine Träne der Rührung vom Monster macht tropf

Der Alk und Aromen, die steigen zu Kopf

Wir füllen ein‘ Becher für jeden Schopf

(auch ein‘ für den Michi ganz ohne Zopf) 

und nuckeln beglückt das Gebräu in den Kropf. 

Die Welt ist friedlich. Das Bäuchlein erwärmt. 

Doris von der Güte der Würzung uns schwärmt. 

„Wohlauf“, spricht das Monster, „ich hab‘ euch gelehrt!

Aufdass ihr die Welt und den Erdkreis bekehrt, 

so gehet nun hin und erzählet den Leuten, 

was Wein kann im Winter dem Wohle bedeuten. 

Der Mensch soll, wenn’s kalt ist, Lichter betrachten, 

und er soll auch ein würziges Tröpfchen stets achten!“

Drum tut, meine Lieben, was das Monster euch kündet

aufdass nun den göttlichen Frieden ihr findet

tut Wein achten, Bier achten, wenn dunkel es ist, 

und erzählt es auch weiter, dass nie wer vergisst!

 

Titelbild: (c) www.Pastafari.at

Mit freundlicher Mitwirkung von „Wikipedia“, „Ich koche.de“  und der „Presse“