Eine Neuübersetzung der acht Am-Liebsten-Wäre-Mirs

Bruder Edelwolf Elica betätigt sich der praktischen Theologie und reformuliert die ALWMs. Das ist ein zentrales Forschungsergebnis der KdFSMÖ. Andere Kirchen werden auf unseren Zug … äääh auf unser Kirchenschiff … aufspringen.

Motivation

Als jemand, der den Pastafarianismus ernsthaft betreibt, denke ich öfter darüber nach, die acht Am-Liebsten-Wäre-Mirs (ALWMs) sichtbarer in mein Leben einzubinden. Eine Idee dafür wäre z.B. T-Shirts zu designen und zu tragen, die die ALWMs zeigen. Am liebsten würde ich dafür natürlich die Englische Originalversion verwenden, doch aus praktischen Gründen scheint mir das nicht ratsam: Ich habe den Eindruck, dass jene Menschen, die am meisten vom Kontakt mit den ALWMs profitieren würden, oft über keine hinreichenden Fremdsprachenkenntnisse verfügen. Daher bleibt nur die Deutsche Übersetzung.

Ich muss leider zugeben, dass ich weitaus seltener im Evangelium lese, als es gut wäre, und deshalb war ich sehr schockiert festzustellen, dass die Deutsche Übersetzung der ALWMs einige Schwachstellen aufweist, die sie für eine öffentliche Glaubens-Informationskampagne (wie z.B. durch die T-Shirts) ziemlich unbrauchbar macht:

  • Ich habe den Eindruck, dass der Comedy-Faktor bei der Übersetzung sehr hoch bewertet wurde, sodass bei einer Wahl zwischen einer genauen und einer komischeren Übersetzung letztere bevorzugt wurde.
  • Der Inhalt wurde teilweise »lokalisiert«, d.h. kulturelle Referenzen die im Original nicht vorhanden waren, wurden bei der Übersetzung hinzugefügt (z.B. eine Referenz auf das »Deutsche Reinheitsgebot«)
  • Teilweise erfolgte die Übersetzung etwas ungenau.
  • Am meisten geärgert hat mich jedoch, dass sich in die Übersetzung des 8. Am-Liebsten-wäre-mirs (zumindest bis inkl. der 3. Auflage) ein sinnentstellender Fehler eingeschlichen hat, der eine Aussage ins komplette Gegenteil verkehrt.

Was sich ändern soll

Diese Mängel haben mich motiviert, die acht Am-Liebsten-wäre-mirs mit der Hilfe einiger Geschwister im Glauben neu zu übersetzen. Ich möchte mit meiner Neuübersetzung folgende Ziele erreichen:

  • Kulturelle Einflüsse aus dem Amerikanischen werden übernommmen, und Hinzufügungen/Änderungen, die durch die hiesige Lokalultur bedingt sind, weglassen.
  • Nicht allgemein verständliche kulturelle Konzepte aus dem Amerikanischen werden trotzdem durch allgemein verständlichere hiesige ersetzt, die dem Original möglichst nahekommen.
  • Idiome werden nicht wörtlich, sondern sinnegemäß übersetzt.
  • Auch alles andere wird sinngemäß übersetzt.
  • Schwer zu verstehende Stilmittel werden weggelassen. Das auch kann im Widerspruch zu den anderen Zielen stehen.
  • Wie unsere Feminist*innen festgestellt haben, liebt es das Monster, eine ambivalente Haltung zu Sexismus zu zeigen, in dem es sich inhaltlich klar dagegen positioniert, aber nicht davor zurückschrecht, selber sexistische Ausdrücke zu verwenden. Dies wird beibehalten.
  • Krasse Formulierungen werden möglichst behalten/verwendet.

Herausforderungen bei der Neuübersetzung

Neo-King-James-Englisch

Scherzhafte Formulierungen im Neo-King-James-Englisch, wie z.B. »holier-than-thou« oder »do unto others« haben keine brauchbare Entsprechung im Deutschen, da wir kaum altes Bibel-Deutsch verwenden. Sogar die Luther-Übersetzung wurde regelmäßig der modernen Deutschen Sprache angepasst und würde z.B. in der Fassung der eigenhändigen Niederschrift Luthers extrem befremdlich wirken. Mangels Übersetzungsmöglichkeiten musste ich darauf verzichten, diese Eigenart des Texts zu übertragen

Referenzen auf die »purity culture«

Den Hinweis »Purity Is For Drinking Water Not For People« scheint sich auf die US-Amerikanische »purity culture« zu beziehen, die von Katholiken und diversen christlichen Gruppierungen propagiert wird. Anders als hierzulande bleibt es dabei nicht bloß bei der Forderung »kein Sex vor der Ehe«, sondern kulturell-rituelle Elemente wie »purity balls«, »purity rings« und »virginity pledges« sollen weibliche Teenager in diesem Vorhaben »bestärken«. Ich will behaupten, dass im deutschen Sprachraum eine derartige Kultur kaum bekannt ist. Dementsprechend wird auch der 1:1 übersetzte Begriff »Reinheit« kaum die selben Konnotationen wie im Englischen haben. Das nächstbeste Konzept, das ich finden konnte, ist die »Unbeflecktheit« der »unbefleckten Empfängnis«, das sich jedoch nicht mehr auf »Trinkwasser« anwenden lässt, weshalb in Absprache mit meinen Geschwistern im Glauben »Textilien« als Ersatz gewählt habe.

Das Ergebnis

  1. Am liebsten wäre Mir, wenn ihr euch nicht wie scheinheilige, selbstgefällige Esel benehmen würdet, sobald ihr Meine Nudelige Güte beschreibt. Falls manche Leute nicht an Mich glauben, ist das okay. Ehrlich. So eitel bin Ich nicht. Außerdem: Um die geht es gar nicht, also bleibt beim Thema.
  2. Am liebsten wäre Mir, wenn ihr Meine Existenz nicht dazu benutzt, um andere Menschen zu unterdrücken, zu unterwerfen, zu bestrafen, auszunehmen und/oder sonstwie gemein zu ihnen zu sein. Ich brauche keine Opfer, und Unbeflecktheit ist etwas für Textilien, nicht für Menschen.
  3. Am liebsten wäre Mir, wenn ihr die Leute nicht wegen ihres Aussehens, ihrer Kleidung, ihrer Sprache oder sonstwas abstempeln würdet. Seid einfach nett zueinander. Ach, und kriegt das endlich in eure Dickschädel: Frau = Mensch. Mann = Mensch. Jacke wie Hose. Das Eine ist nicht besser als das Andere. Es sei denn, es geht um Mode, die habe Ich exklusiv den Frauen überlassen, sowie ein paar Männern, die den Unterschied zwischen Krickentenblau und Fuchsia kennen.
  4. Am liebsten wäre Mir, wenn ihr keinem Verlangen nachgebt, das ihr selbst oder euer bereitwilliger, volljähriger UND geistig reifer Partner anstößig finden würdet. Und zu Leuten, denen das nicht passt, sagt man glaube Ich: »F*** dich doch ins Knie«. Es sei denn, die fänden das wiederum anstößig. In diesem Fall sollten die einfach mal die Glotze ausschalten und zur Abwechslung eine Runde spazieren gehen.
  5. Am liebsten wäre Mir, wenn ihr die intoleranten, frauenfeindlichen und hasserfüllten Ideen anderer Leute nicht infrage stellen würdet, wenn euer Magen leer ist. Esst etwas, und dann schnappt euch diese Pussies.
  6. Am liebsten wäre Mir, wenn ihr keine Multimillionen-Dollar-Kirchen/Tempel/Moscheen/Schreine für Meine Nudelige Güte erbauen würdet, wenn das Geld viel sinnvoller ausgegeben werden kann. Sucht euch etwas aus:
    A. Armut beenden
    B. Krankheiten heilen
    C. In Frieden leben, mit Leidenschaft lieben und Kabelfernsehen billiger machen
    Ich mag ein ja ein allwissendes Wesen aus komplexen Kohlenhydraten sein, aber Ich erfreue mich an den einfachen Dingen im Leben. Ich muss es ja wissen, Ich BIN der Schöpfer.
  7. Am liebsten wäre Mir, wenn ihr nicht überall herumerzählen würdet, dass Ich zu euch spreche. So interesssant seid ihr nicht. Ich sagte doch, ihr sollt euren Nächsten lieben. Wink mit dem Zaunpfahl.
  8. Am liebsten wäre Mir, wenn ihr, was ihr wollt, was man euch tu‘, keinem anderen zufügen würdet, wenn ihr, äh, auf Sachen steht, für die reichlich Leder/Gleitmittel/Las Vegas nötig sind. Aber wenn die andere Person auch darauf steht, dann (unter Berücksichtigung von Nr. 4) legt los, macht Fotos! Und zum Kuckuck nochmal, NEHMT EIN KONDOM! Ehrlich, es ist nur ein Stück Gummi. Wenn Ich nicht wollte, dass es sich gut anfühlt, wenn ihr es tut, dann hätte Ich Nägel oder sowas eingebaut.

Was noch fehlt

Ich komme nicht umhin festzustellen, dass unser 2006 veröffentlichtes Evangelium anscheinend noch vor der Etablierung von nichtbinären Geschlechtsidentitäten im öffentlichen Diskurs entstanden ist. Deshalb hat unser Prophent vermutlich das Monster nicht ganz so gut verstanden, als es das 3. ALWM diktiert hat. Die Formulierung »Woman = Person. Man = Person. Samey-Samey.« ist nicht gut gealtert und hinterlässt den Eindruck, dass das Monster NB-Personen nicht als gleichwertig ansehen könnte.

Trotzdem habe ich mich entschieden, diese veraltete Formulierung beizubehalten, da ich inhaltliche Änderungen nicht als Teil einer Neuübersetzung ansehen kann, die der Originalversion näherkommen soll. Stattdessen möchte ich an dieser Stelle auf die dringende Notwendigkeit einer transinklusiven Liturgiereform hinweisen, falls unser Prophet sich nicht selbst geeignet dazu äußern sollte.

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Paul Paccheri
Paul Paccheri
9 Monate zuvor

„Unbeflecktheit ist was für Textilien“ find ich nicht so gut, weil ich die Theorie habe, daß alles Gewand automatisch zur Piratenmontur wird wenn man es lange genug anhat und nie wäscht.

Bonafide
Bonafide
9 Monate zuvor

Ahoi Bruder Edelwolf Elica🤗, *einen freundlichen Monstergruß vorbei schick *toll gemacht köstlich😋 🥳🥳🥳 *zu viel gefeiert 🥴 Allerdings … Den Hinweis von Bruder Paul Paccheri (aka. „der Bademeister“😜) zur „Unbeflecktheit“ finde ich sehr gut. Auch … „NB-Personen nicht als gleichwertig ansehen könnte.“ Unser liebes Monster liebt uns! – So wie wir sind, und dies selbstverständlich immer! #ohne_Bedingung Das ist ein Alleinstellungsmerkmal. Das sollten wirrr viel mehr feiern. 🥳 🤔 Vielleicht wird es Zeit für … ALWMs 2.0 #nicht_falsch_verstehen Der Inhalt ist perfekt. Dennoch ist es Zeit für ein Update. z.B „… und Kabelfernsehen billiger machen.“ Kabelfernsehen – „Wat´n dat? (PS:… Weiterlesen »

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