Pride auf unsere Eheauffassung, wir auf der Pride

Design: Sista Rosa Bulldozer, Gemeinfrei

In den letzten Monaten hat sich die katholische Kirche wieder mal mit besonderer Ignoranz und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit hervorgetan, indem von ganz oben verkündet wurde, dass gleichgeschlechtlichen Paaren ihre kirchliche Segnung verwehrt bleibt. Andere Kirchen verheiraten inzwischen zwei Personen unabhängig von deren Geschlecht und machen es manchen Leuten dadurch etwas weniger schwer, doch das Grundproblem bleibt: Sie haben ganz bestimmte Vorstellungen davon, wie eine Ehe auszuschauen hat, und wer diese mit wem eingehen kann. Darum wollen wir – eine Gruppe innerhalb der Pastafaris Austria rund um den Frauen*orden Les Femmes Farfalles – hier ein für alle Mal festhalten: Wir haben keinerlei solche Restriktionen!

Den Segen des Fliegenden Spaghettimonsters für eine Eheschließung bekommen ganz einfach alle mündigen Menschen (über 18, nicht komplett zugedröhnt), die das wollen. Das Geschlecht der heiratenden Personen oder dessen Abwesenheit zählt dabei genauso wenig wie die Personenanzahl. Damit ermöglichen wir es als erste Kirche Österreichs Polykülen (Beziehungscluster mit mehreren Leuten), in Gruppen zu heiraten, und nicht monogamen Menschen allgemein, mehrere Menschen – gleichzeitig oder zeitversetzt – zu heiraten. Gleichzeitig ist es bei uns auch möglich, sich selbst zu heiraten – ein Angebot, das vielleicht besonders für aromantische Personen interessant ist.

Die Pastafarische Ehe muss aber nicht unbedingt etwas mit romantischen Beziehungen oder Sexualität zu tun haben: Wir erkennen die Vielfalt menschlicher Beziehungen im weitesten Sinne an und mischen uns nicht in das Privatleben unserer Verheirateten ein. Du kannst bei uns also deine beste Freundesperson heiraten, oder ein paar flüchtige Bekannte, es ist uns völlig egal, ob ihr Sex miteinander habt oder zusammenwohnt. (Unsere Ehe hilft aber nicht bei der Erlangung einer Staatsbürger*innenschaft und sonstiger Rechte, die standesamtliche Ehe ist von der problematischen Eheauffassung des Christ*innentums geprägt.) Wir maßen uns auch nicht an, zwischen „richtigen“ und „Spaßehen“ zu unterscheiden, denn wir haben als Anhänger*innen des Nudeligen Monsters schon zu oft erlebt, dass uns von außen Intentionen unterstellt oder abgesprochen werden.

Kurz: Eine Hochzeit und Ehe hat vor dem Fliegenden Spaghettimonster genau so viel und so wenig und genau diejenige Bedeutung, die sie für die beteiligten Leute hat.

Das Pastafarianische Standardritual zur Verehelichung beinhaltet (optional) den gemeinsamen Konsum einer Spaghettinudel von beiden Seiten im Fall einer Zwei-Personen-Hochzeit und angepasste Varianten davon im Fall einer Hochzeit von einer, drei und mehreren Personen. Außerdem können nach Wunsch Nudelringe ausgetauscht werden. Die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Österreich stellt eine*n Priester*in zur Verfügung, der*die die Zeremonie abfeiern wird.

Mindestens zwei Zeremonien dieser Art werden am Samstag, den 19. Juni 2021, um 18:30 im Anschluss an die Pride Parade, an der heuer eine Pastafari-Delegation teilnimmt, am Maria-Theresien-Platz stattfinden: Ein Kirchenmitglied wird sich selbst ehelichen, drei weitere werden den Gruppenbund der Ehe eingehen. Den Segen des Fliegenden Spaghettimonsters wird unser Bruder im Glauben Niko Alm als Zeremonienmeister sprechen.

RAmen.

Falls Ihr Interesse an einer  Nudelhochzeit habt, könnt Ihr Euch hier anmelden!

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Hugo
4 Monate zuvor

Als glücklich Geschiedener halt ich die staatlich organisierte Ehe für Unfug und damit auch die indirekte Werbung für ihre religiösen Appropriationen. Für dieses BLOG empfehle ich bessere Diskussionsmöglichkeiten, weil die Zeit apodiktischer Monologe vorbei sein sollte.R’amen, Euer Klabauter

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