~ Stellinus‘ Gemeindebriefe ~ No.14 ~ Betreff: Sind wir bloß eine „Spaßkirche“?

Absender: Bruder.Cotelli<Arrgh>Pastafari-Dahlenburg.de
Empfänger: FAQ-Stellinus<Arrgh>FAQ-FSM.de

Betreff: Sind wir bloß eine „Spaßkirche“?

Arrgh und Ahoi, mein lieber Onlineseelsorrrger!

Unsere kleine Gemeinde von windgebeutelten Pastafari trifft sich monatlich bei einem beliebten und gut besuchten Italiener im Ort. Oftmals sprechen uns andere, weltliche, Gäste wegen unserer Piratenkleidung an. Wir nehmen diese Gelegenheit wahr, um ihnen dann unsere Religion näherzubringen.

Doch kommt es öfters vor, dass wir bei unseren Nudelmessen und öffentlichen Auftritten angesprochen werden: „Ihr seid doch diese Spaßkirche bzw. Spaßreligion?!“

Wie sollen wir dieser kritischen Aussage effektiv begegnen?

Seine Nudelsoße begleite Deine Tage!

Euer Bruder Cotelli

Antwort von FAQ-Stellinus<Arrgh>FAQ-FSM.de

Hallo, liebe Pastafari in Dahlenburg!

Wie so oft sehen wir uns mal an, was Wikipedia sagt:

Heute wird mit „etwas macht Spaß“ eine Tätigkeit beschrieben, die gerne gemacht wird, die Freude, wobei diese meist nachhaltiger ist, bereitet. … Als Gegenbegriff gilt der Ernst …

Der Begriff „Spaßkirche“ findet sich auf Wikipedia oder im Duden hingegen nicht. Hier soll wohl von den Nutzern dieses Begriffes eine Vorverurteilung des Angesprochenen und seiner Religion ausgedrückt werden.

Wollen wir mal überlegen, ob dieses Vorurteil haltbar ist.

Sind Ernsthaftigkeit oder das Ertragen von Leid Voraussetzungen für eine Religion?

Diese Frage ist kurz mit einem klaren Nein zu beantworten. In vielen Religionen kommen Leid und Ernsthaftigkeit in vielen Fragen vor, doch nur um durch durch die jeweilige Religion überwunden zu werden. Ziel der meisten Religionen ist ein „paradiesischer“ Zustand mit fröhlichen, glücklichen – also Spaß habenden – Gläubigen. Auch der Weg zum „Paradies“ muss nicht zwingend ernst oder leidend beschritten werden. Im Prinzip sind Spaß und Religion/Kirche also zwei Ideen, welche sich nicht gegenseitig ausschließen.

Wenn wir die acht „Am liebsten wäre mir’s“ analysieren sehen wird, dass das Pastafarianismus viel Wert auf Freude und Spaß legt. So gesehen ist der Begriff „Spaßreligion“ in seinem positiven Sinn schon treffend.

Im Christentum steht, unter Berufung auf die Hinrichtung Yoschua ben Josefs am Kreuz, das Ertragen von Leid sehr stark im Vordergrund. (Siehe auch die Heiligen: sehr viele Christen wurden durch leidvolle Tode zu „Heiligen“; Mutter Theresa, der sogenannte „Engel“ von Kalkutta hat Patienten die Schmerzmittel verweigert, damit diese durch ihre Leiden „näher bei Jesus“ sein sollten.) Für das Christentum sehe ich daher den Begriff „Leidreligion“ als sehr anschaulich beschreibend an.

Aber zurück zum Thema, denn eigentlich ist der Ausdruck „Spaßreligion“ wohl vom Absender als Beleidigung verwendet worden. Er möchte wohl ausdrücken, dass wir keine „richtige“ Religion sind und wir unsere Glaubensinhalte aus dem Evangelium des fliegenden Spaghettimonsters nicht ernst nehmen. Hierzu möchte ich aus meinem eigenen Empfinden, den von mir geleiteten Nudelmessen, pastafarianischen Taufen, den Gesprächen mit anderen Pastafari schließen und sagen:

So ernst und wichtig wie Christen ihre Religion nehmen, nehmen auch wir Pastafari unsere Religion, aber wir benehmen uns als nette Menschen zu allen Menschen, sind fröhlich dabei und haben in unserem Leben Spaß!

Und mit diesem Satz haben wir auch eine Lösung als Antwort auf eure Frage:

Ja, wir sind eine Spaßreligion! Bei uns darf jeder Spaß haben! Auch während der Nudelmessen und selbstverständlich während seines gesamten Lebens! Wir sind keine ”Religion des Leidens”!

RAmen und gelobt sei Seine Soße

Euer Bruder S.

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*) Aus datenrechtlichen Gründen sind Kontaktinformationen pseudonymisiert.

Voriger Brief: Ist das Evangelium des Fliegenden Spaghettimonsters heilig?

 

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Hugo
Hugo (@hugo)
15 Tage zuvor

Diesmal hast Du den Nagel nicht auf dem Kopf getroffen, sondern ins Kreuz geschlagen und ich danke Dir dafür, lieber Glaubensbruder. Schon lange irritierte mich, dass Christen nur Geburt, Tod und ein seltsames postmortales Ereignis, Pfingsten, feiern. Um auch an christlichen Festen teilzunehmen, erwarb ich, nicht aus Geiz, sondern weil ich dann nicht so lang unter meiner Festtracht suchen muss, dieses shirt, das ich liebevoll Weinostern nenne. Dank Deiner Ausführungen werde ich es auch zum Festtag Mutter Teresas tragen. Den muss ich noch googeln, nehme aber an, dass es der Tag ist, seit dem sie nur mehr Hansl (schales Bier)… Weiterlesen »

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