Ramen, lasset mich Euch sagen, dass die Skeptiker unseren Blog gekaperrrrt haben;) Heute präsentieren wir Euch eine wahre Geschichte, die eine Skeptikerin kürzlich mit wissenschaftlich agierenden Homöopathen erlebt hat.

Die Österreichische Akadmie der Wissenschaften hat am 25. Februar zu einer Diskussion mit dem Titel „Homöopathie – eine akzeptable Heilmethode in der heutigen Zeit?“ eingeladen. Das haben Homöopathie-Ärzte, Tierärztekammer-Funktionäre, Homöopathen und Homöopathieanhänger als Provokation empfunden und sind in Scharen erschienen. Der Moderator, Hubert Christian Ehalt, bat schon zu Beginn das Publikum um Disziplin bei der Diskussion und um kurze Fragen.

Den ersten, exquisiten Vortrag hielt der Pathologe Prof. Helmut Denk. Er berichtete von der Vorgangsweise bei der EASAC– dem Dachverband der 29 europäischen Akademien der Wissenschaften – bei der Beurteilung der Homöopathie. Grundlagen dafür waren die großen Metastudien und Dokumentationen der letzten Jahrzehnte. Die EASACkam zu dem Schluss, dass Homöopathie nicht mehr als Placeboeffekte erreichen kann, und warnt deshalb davor, sie bei chronischen und ernsthaften Erkrankungen einzusetzen. Ein Verbot der Homöopathie war aber nicht angedacht, das Ziel war, Information für Entscheidungen für einen Informed consent zu liefern. Denk widmete sich den Grundsätzen Hahnemanns, lobte seine Pioniertaten, wie etwa die Einführung der Anamnese, kritisierte aber die Lehre, die fälschlich Symptome für die Krankheit hält, und seine Therapie, die chemischem, physikalischem und biologischem Wissen widerspricht. Und er wies auf den Widerspruch hin, dass Hahnemann zwar verboten hatte, mit mehr als einem Mittel zu behandeln, heutige Homöopathen aber ihre Methode – angeblich – bloß als Ergänzung zu einer medizinischen Therapie einsetzen.

Der Pharmakologe Prof. Dr. Michael Freissmuth hat dies sinnvoll ergänzt: Dass die behauptete vis vitalis widerlegt sei, seit im Labor organische Zellen erzeugt worden sind; dass man mit der Floskel „Wer heilt, hat recht“ Evidenz missversteht; und dass es kein einziges Beispiel dafür gibt, dass Homöopathie das medizinische Verständnis irgendeiner Krankheit erklärt hätte. Und da kamen aus dem Publikum Buh-Rufe, als ob man in einem Theater sitze.

Das kurze Referat des Internisten und Homöopathen Prof. Michael Frass war simpel für seine Anhänger zugeschnitten – er wischte rasch über die Folien, die fern von wissenschaftlicher Darstellung waren. Aber seine Behauptung „Homöopathie hilft“ wurde von Beifallsklatschen begleitet.

Anschließend konnten Fragen gestellt werden; jeder Dritte kam zu Wort, die meisten aber gaben, statt zu fragen, lange Statements ab – gespickt mit Falschaussagen und Kritik an den anerkannten Studien, von Beifallskundgebungen und Aufregung begleitet. Es half auch nicht, als Denk erklärte, wie genau man die Quellen nachkontrolliert hatte – der spürbare Unmut wuchs, Antworten der Experten gingen unter. Nur die anwesenden Mitglieder der GkD (Gesellschaft für kritisches Denken) stellten gezielte Fragen, die Frass jedoch wegen seines schlechten Gehörs leider nicht verstanden hätte. Bis auf eine: Warum bei Potenzierungen bloß der Urstoff seine Information an Patienten abgeben soll, nicht aber die Verunreinigungen. Frass meinte, das sei wie in der Gesellschaft, manche Personen hätten Charisma und würden Aufmerksamkeit gewinnen, andere nicht. Begeisterter Beifall. Das Niveau seines Auftritts und das unhöfliche Verhalten seines Fanclubs vor Wissenschaftsexperten hat mich erschreckt, doch mein Urteil bestätigt: Gegen Dummheit gibt es kein Homöopathikum. Beim anschließenden Small Talk bei Wein und Brötchen fiel dann noch die Behauptung, es gäbe gar keine Wissenschaft. In diesem Rahmen sehr originell.

Kopfschüttelnd,

Krista Federspiel

Anmerkung: Die Skeptiker haben 50.000 Euro an Cash für jene/n ausgeschrieben, die/der Homöopathika identifizieren kann!

 

Titelbild: (c) ÖAW.