Ich hatte letztens folgende, sehr aufschlussreiche Konversation mit einer tätigen Christin:

„Und du bist jetzt echt so ein Nudelanbeter?“ (deutet auf mein FSM-Shirt)

„Eh schon eine Weile.“

„Und was hast du da für einen Aufnahmetest bestehen müssen? Vor der Gemeinde einen Teller Nudeln essen, ohne dich anzupatzen?“ (Kichert)

„Nein, kein Aufnahmetest.“

„Was sonst? Wenigstens eine Tomatensauce-Taufe?“

„Nein, auch keine Taufe. Ich habe das Evangelium gelesen, für wahr und richtig erkannt. Und seither bin ich Pastafaria.“

„Was, nicht einmal eine Taufe? Aber wie weißt du denn dann, dass du Mitglied bist? Und wie wissen es die anderen? Das ist blöd.“

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Nein. Ist es nicht. Im Gegenteil. Und ich erkläre euch, warum:

Um zum Christentum zu gehören, braucht etwa alle drei Minuten eine öffentliche Willensbekundung. Es gibt eine Taufe, eine Erstkommunion, eine Firmung, alles Stufen der Affirmation: Ich gehöre zum Club. Ohne diese Bekundungen (vor dir selbst, vor der Gemeinschaft) geht es nicht. Ohne Eintrittskarte gehörst du nicht zum Club.

Die meisten Religionen – und hier meine ich nicht nur Glaube an einen Gott sondern auch an Fußballer, an Popsänger, an Automarken, an Nationalstaaten oder Staatenbünde – benötigen eine Willensbekundung, dazuzugehören. Sie sind Gated Communities. Mit allen Vor- und Nachteilen, die daraus erwachsen.

Wenn es um den Glauben geht, überwiegen die Nachteile. Warum?

Eine Gated Community macht einen besseren Menschen aus dir. Virtuell. In deinem Kopf. Sie teilt die Menschen in diejenigen, die dazu gehören (die Seligen) und die dort draußen (die Ungläubigen, Barbaren, die Austrianer, die Beliebers, die Migranten). Die dort draußen sind immer, IMMER:

  • Menschen zweiter Klasse
  • unrein
  • dumm, unterbelichtet oder noch nicht erleuchtet
  • auf jeden Fall schlechter als wir: moralisch, sportlich, hautfarblich
  • bedauernswert, denn sie wurden noch von der wahren Erkenntnis gestreift
  • neidig auf das, was wir hier haben und daher müssen wir einen hohen Zaun bauen, um uns vor denen da draußen zu schützen.

Menschen tun die seltsamsten Dinge, um sich vor denen da draußen zu schützen. Sie bauen Mauern, die durch Kontinente gehen. Sie erfinden Dämonen und behaupten, die da draußen wären von denen besessen oder beeinflusst. Sie tragen nur grünen Stoff und kriegen Nervenzusammenbrüche, wenn sie irgendwo am Horizont was Violettes sehen.

Durch einen Akt der Willensbekundung (Taufe, feierlicher Schwur, Erlag des Clubbeitrags) kann man sich von seinem früheren, sündigen Leben reinwaschen. Dann ist man ein besserer Mensch und kann auf die da draußen zeigen. Die Taufe ist eine rituelle Selbstschulterbeklopfung, eine Aufwertung, indem man andere abwertet.

Nun, ich habe prinzipiell ein Problem damit, mich selber aufzuwerten, indem ich andere abwerte. Ich habe ein Problem damit, wenn Christen mich bedauern, dass ich in der Hölle schmoren werde, weil ich die richtige Botschaft nicht empfangen habe. Ich pfeife auf das Mitleid. Und ich pfeife auf diese Hochnäsigkeit.

Und es endet nicht bei der Taufe. Das Leben eines gläubigen Christen, eines gläubigen Moslems ist darauf ausgerichtet, jeden Tag, jede Minute, mit jeder Handlung zu unterscheiden: Bin ich dadurch ein braves Mitglied im Club? Schaffe ich mit dieser Tat die ultimative Prüfung in den ultimativen Club? Lässt mich Petrus noch durchs Himmelstor, wenn…?

Himmelstor. Du verstehst? Also, wenn das keine Gated Community ist, dann weiß ich nimmer!

Und daher bin ich gegen eine pastafarische Taufe. Gegen einen Aufnahmetest. Gegen jede Art von Gate, das unserer Community suggeriert, dass wir was Besseres als die anderen dort draußen sind. Der optimale Eintritt in unsere Kirche sieht für mich so aus:

Und daher, meine liebe Bettina, gab es keine Taufe für mich, um Pastafaria zu werden. Und wird es auch niemals geben.

RAMEN, ICH FRAGE EUCH: Habt ihr euch auch schon einmal über einen „Ich werde für deinen falschen Glauben beten“-Christen geärgert? Wie habt ihr reagiert?

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Titelbild: (C) Pixabay / Angel Glen

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