Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern bespricht unsere Kirche in ihrer „Sektenfibel“

RAmen und Prostmahlzeit, Bajuvarische Protestant*innen!

Wir Pastafari dieser Welt bedanken uns bei euch recht herzlich dafür, dass wir, neben esoterischen Spinnern, staatsfeindlichen antisemitischen Verschwörungstheoretikern und Demokratiefeinden, Quarkdenkern und Impfgegnern, sonstigen christlichen Fundamentalisten und irgendwelchen anderen Spinnern, in eurer aufklärenden Broschüre über Weltanschauungen (Sonderausgabe 3) auch vorkommen.

Danke, Jesus!

Aber habt ihr da nicht was vergessen? Kein Eintrag zu Homöopathie in der Rubrik „Esoterik“? Und diese katholische Sekte kommt auch nicht darinnen vor.

Schludrigkeitsfehler oder am Meßwein genippt?

Bei den „Neben- und Tarnorganisationen der Scientology-Organisation“ stimmen wir übrigens völlig überein.

Dass ihr das fröhliche Kinderfest „Halloween“ in die Rubrik „Faszination des Dunklen und Geheimnisvollen“ einordnen wollt verstehen wir nicht. Da haben doch die Piraten traditionell Süßigkeiten an Kinder verteilt, also etwas Gutes getan. Aber bitte. Nur, solltet ihr dann nicht auch das Martins-Fest dort einordnen? Da ziehen doch auch Kinder in der Dunkelheit umher. Oder meint ihr da die Grusel-Kürbisse? Das mit dem „großen Kürbis“ ist doch der Peanutsionismus, der in eurer Broschüre gar nicht vorkommt.

Manche evangelische Christ*innen sehen in Halloween eine Konkurrenz zum Reformationstag oder befürchten okkulte Dimensionen des Festes. [..]

Handlungsempfehlungen

Während es Christ*innen im privaten Ramen frei steht, am Abend des 31. Oktobers Halloween (nicht) zu feiern, hängt die Frage, ob Halloween im gemeindlichen Kontext begangen werden kann, an weiteren Faktoren und muss vor Ort geklärt werden: Kann die Rechtfertigungsbotschaft kindgerecht mit dem Halloweenfest in Verbindung gebracht werden? Gelingt es, mit Kindern über den Tod zu sprechen? Können Erzieher*innen, Eltern und Gemeindeleitung dahinterstehen? Werden die Feierlichkeiten des Reformationstages dadurch beeinträchtigt? Können Kinder ähnliche Erfahrungen (verkleiden, gruseln usw.) an anderen Tagen im Jahreskreis machen (Fasching, Laternenumzug)? Eventuell bietet es sich an, dazu einen Gemeindeabend zu organisieren.

Das klingt etwas seltsam, was ihr hier schreibt. Ist es ein Problem für euch, dass der Reformationstag sich das Datum mit anderen Feiertagen teilen muss? Das können wir nur zu gut verstehen, immerhin fallen viele pastafarische Festtage mit Festtagen anderer Religionen zusammen. Wir können euch nur zu mehr Toleranz raten. Lasst doch alle feiern, was sie wollen. Kleiner Tipp: wenn man die coolste Feier bieten kann, hat man den meisten Zulauf!

An dieser Stelle sei euch für den zweiseitigen Bericht über uns im Kapitel „Facetten der Religionsdistanz“ ein von Herzen kommendes Danke gesagt. Ihr beschreibt darinnen ohne viele Verzerrungen sehr gut unsere humanistischen und säkularen Anliegen. Dass ihr uns respektlos als „Religionsparodie“ bezeichnet, darüber wollen wir großzügig hinweg sehen. Wie sagte schon Jesus: „Wertet nicht andere, auf dass ihr nicht von anderen gewertet werdet“? Ihr wisst schon, „antisemitischer Religionsgründer“ *hust*

 

Das ihr in eurer Broschüre vor Spinnern warnt, das finden wir gut. Nur dass ihr Verbündete im Kampf gegen die Gefahren der Beliebigkeit und Unwissenschaftlichkeit wie Humanisten und uns Piraten vor den Kopf stoßt, das macht uns traurig. Fürchtet euch nicht vor allem Fremden, sondern sucht das Gemeinsame!

Handlungsempfehlungen

Das FSM wird immer wieder in Schulen und Konfirmandenkursen von Jugendlichen angesprochen. In diesen Zusammenhängen kann die KdFSM durchaus besprochen werden. Schwerpunkte sollten hier — neben der Auseinandersetzung mit dem Thema Religionskritik und -satire — die Entstehungsgründe in den USA sein. Dabei sollte neben Kreationismus und Intelligent Design unbedingt auch der christliche Fundamentalismus behandelt werden. Darüber hinaus bietet es sich an, sich den Themen Atheismus und Humanismus anzunähern.

An dieser Stelle einen großen Dank, dass unsere religiösen Hauptgerichte in Konfirmandenkursen und Seminaren immer wieder auf dem Speiseplan stehen. Wir freuen uns sehr darüber, dass ihr mit den Jugendlichen über uns reden wollt. Aber bitte passt auf, die Vorteile unserer Religion nicht zu sehr herauszustreichen, sonst betreibt ihr womöglich unbeabsichtigterweise Missionierung für uns oder gar *huch* Ethikunterricht. Übrigens: Halloween ist einer der höchsten Feiertage in unserem Glauben.

In euer Broschüre „Religiöse Bildung angesichts von Konfessionslosigkeit – Aufgaben und Chancen“ sprecht ihr das für euch offenbar große Problem der Säkularität und Konfessionslosigkeit an.

Insgesamt haben Kirche und Religion in den westlichen säkularisierten Gesellschaften ihre bisherige gesamtgesellschaftliche Bedeutung und Integrationsfunktion früherer Zeiten verloren. Religion ist für den Einzelnen zu einem Deutungsangebot geworden, das er annehmen kann, aber nicht muss. Diese sogenannte Konfessionslosigkeit ist für die Kirchen eine mindestens ebenso große, wenn nicht noch größere Herausforderung als der religiöse Pluralismus. Sie betrifft in unterschiedlicher Weise alle kirchlichen Hand-lungsfelder, besonders jedoch die kirchliche Bildungsarbeit. Konfessionslose Kinder, Jugendliche oder Erwachsene gehören zu den Lern- und Adressatengruppen: in evangelischen Kindertagesstätten, im Religionsunterricht, in evangelischen Schulen oder der Erwachsenenbildung sowie in der kirchlichen Arbeit mit Konfirmandinnen und Konfirmanden. Nicht selten bilden Konfessionslose in einigen dieser Gruppen und Einrichtungen sogar die Mehrheit.

Die zunehmende Konfessionslosigkeit sehen auch wir Pastafari als ein Problem an, obwohl wir gute Zuläufe verzeichnen. Deswegen haben wir als einzige Religion ein Rücktrittsrecht verankert. Alle Menschen können unverbindlich unsere Religion ausprobieren und bei Nichtgefallen wieder davon zurücktreten. Wir hoffen(?) dadurch mehr Menschen dazu zu bringen, sich für den Weg des Fliegende Spaghettimonsters zu entscheiden.

Seht ihr wirklich den Religionspluralismus als Problem? Pluralismus ist doch eigentlich das positive Unterscheidungsmerkmal der westlichen Gesellschaften. Auch klingt es, als ob ihr die freie Entscheidung für die eine oder andere Religion bedauert, denn ihr schreibt „Religion ist für den Einzelnen zu einem Deutungsangebot geworden, das er annehmen kann, aber nicht MUSS“. Ist das nicht antidemokratisch?

Und dass konfessionslose Kinder in einigen Gruppen die Mehrheit bilden, darf das sein? Nur stellt sich für uns die Frage, da diese Kinder überwiegend gerne Spaghetti und andere Pasta essen, sind sie wirklich konfessionslos? Oder haben sie den wahren Glauben noch nicht erkannt? Aber wir verstehen, dass ihr sie als Bedrohung seht. Nur warum?

Es sind doch Kinder! Steht das Wasser wirklich schon so hoch im Kirchenschiff?

Wir beten für Euch, RAmen!

Siehe auch

 

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