KAPERFAHRT VS PILGERFAHRT

Das Lied von Zorn und Erlösung

Es begab sich zu Wien, im Jahre des Monsters …. äähm Moment, das Monster ist ja zeitlos …. schwierig, denn das Monster war schon immer da, noch vor allem anderen …. ohne das Monster gäbe es ja nix …. und mit unseren geistigen Fähigkeiten können wir ja gar nicht so weit zählen und außerdem waren wir ja gar nicht dabei, bei der Schöpfung von Allem, Allem Anderen und den Ganzen Rest …. also …. AAARGH egal, wir sind Piraten und leben in den Tag hinein und rechnen nur von einem Grog zum nächsten: „Von Bier zu Bier so leben wir!“

Also vor einigen Bieren und Nudelspeisen haben wir beschlossen, eine Pilger- oder Kaperfahrt zu machen. Meine Erinnerung ist da nicht mehr so genau. Also planten wir eine Reise zur Vulkanbrauerei, um uns schon einmal auf den Biervulkan im Nirvana vorzubereiten …. ich glaube der korrekte liturgische Ausdruck lautet „vorglühen“.

Jetzt muss man aber bedenken, dass das ja heiliger Boden sein könnte. Also ein Testgelände des großen Nudeligen, ob man auch würdig ist, bei ihm anzuheuern … Einzugehen in sein Paradies sozusagen. Wo Bier vom Himmel regnet, die Nudeln schön dampfen …. aber ich schweife schon wieder ab. Wir waren bei heiligem Boden! Nun wollen wir uns natürlich nicht den Zorn des großen Nudeligen zuziehen, in dem wir im Bierrausch vor dem Nektarschrein – der Vulkanbrauerei – auf der Straße liegen und dort in einem heiligen Rausch, unterstützt durch klangvolle, meditative Atmung, das Bier in Wasser umwandeln.

Normalerweise wäre das kein Problem, da wir ja stets Unterkunft auf unserem Schiff fänden. An der frischen Seeluft, unter dem Sternenzelt, das uns unser wohlmeinendes Monster geschenkt hat. Jetzt gäbe es zwar den Rhein-Main-Donau-Kanal, aber der Weg von einer etwaigen Anlegestelle zur Brauerei und vor allem der Rückweg, nach der Verkostung … den würden wir nie schaffen. Außerdem kämen wir ja gar nicht an.

Erstens ist der Kanal viel zu klein für unser prächtiges Schiff:

Zweitens würden wir nie mit dem Plündern der ganzen Frachtschiffe fertig werden. Also entschieden wir uns, vor Ort für Schlafstellen zu sorgen.

Gesagt – getan und die Herbergsuche begann. Zuerst einmal Vorbereitung und Recherche. Dann, endlich fand ich einen Anbieter, der würdig erschien, mich und meine Piratenbraut zu beherbergen. Diesen erwies ich dann die Ehre meiner Anfrage. Schon am nächsten Tag erhielt ich ein Angebot für nachgefragte Kajüte für mich und meine Mitstreiterin. Nach Bestätigung desselben war erst einmal Stille. Da ich sicherstellen wollte, dass unser Liegeplatz auch wirklich für uns bereitstehen würde, nahm ich nach einer Woche fernmündlichen Kontakt auf und führte ein sehr angenehmes und nettes Gespräch mit dem Herbergsleiter. Doch in diesem Gespräch beging ich einen Fehler! Ich bat um eine Zwei-Hängematten-Kajüte, da ich eine Gemeinschafts-Hängematte nicht mit meiner Prächtigkeit belasten wollte. Nach kurzer Investigation des Unterkunftgebers verriet ich ihm Körpergröße und -gewicht (so wie der berühmte Sohn des Landes Helmut Kohl, 1,93 Meter groß und von äußerst robuster Gestalt). Trotz vorheriger netter und sehr hilfsbereiter Konversation hat ihn dies dann offenbar verunsichert, da er am nächsten Tag einen teilweisen Rückzieher seines Angebots machte:

Zorn wallte in mir auf und ich bekam Visionen von lodernden Schiffen, der Donner von Schiffskanonen, brandschatzenden Piratenhorden … Es folgten fast zwei Wochen des Bangens und Haderns, bis ich eine erneute Nachricht, mit der endgültigen Absage erhielt. Wieder sehr höflich, dennoch eine Abfuhr:

Ärger ergriff von mir Besitz! Ärger darüber, dass ich zu ehrlich war! Ärger darüber, dass ich – meines Empfindens nach – diskriminiert wurde! Da ich mein Sentiment lediglich durch Pflege meiner Entermesser und dunkle Pläne der Brandschatzung der Eifel im Zaum halten konnte, nahm meine Mitkämpferin mit dem ursprünglichen Anbieter Kontakt auf:

Lieber Herr xxxxx,

Mein Mann hat mich eben benachrichtigt, dass Sie seine Buchung abgelehnt haben.

Bitte sind Sie gnädig und stressen Sie ihn nicht! Was Sie tun, ist ziemlich beleidigend.

Ist ja nicht so, dass wir auf ihren Betten Hopse spielen wollen. Wir sind normale Menschen ohne Allüren. Wir schlafen auch hie und da in anderen Hotels, und es hat noch nie Schwierigkeiten gegeben.

Tatsächlich schläft er daheim auf einem 20-Jahr-alten Ikea-Bett, und es hat ihm bisher noch nicht die Freundschaft aufgekündigt. Sie können also bezüglich Ihrer Möblage gänzlich angstfrei unsere Buchung annehmen.

Und wenn alle Stricke reißen, dann sind wir eh gut haftpflichtversichert und ersetzen Ihnen Ihren Schaden.

Schauen Sie, mein Mann hätte Ihnen gar nicht sagen müssen, dass er dicklich ist, und ich habe kein Verständnis für Ihre Reaktion. Ihr Hotel liegt für unsere Vorhaben in Mendig optimal, und ich bin nichts neugierig, mich auf barrierefreien Irgendwassen nach Alternativen umzusehen. Mir fehlen dazu die Nerven und die Zeit.

Bitte reservieren Sie uns das Zweibettzimmer wie ursprünglich angefragt, und dann wird der Geist von Helmuth Kohl auch keine dunkle Regenwolke über Ihr Hotel zaubern, OK? Ich bin nämlich mit Helmut spiritistisch in gutem Kontakt.

Es grüßt Sie aus dem viel zu heißen Wien

Mit freundlichen Grüßen

 

Nur weitere vier Tage später erhielt dann auch meine Piratenbraut eine Abfuhr:

Erneut stiegen die Vision von unbesiegbaren, brandschatzenden Horden schicker Kopftuchträger in mir hoch. Entermesser schwingend, Kanonen abfeuernd, Bier, Grog, Braten, Papageien, Seemannslieder grölend ….. und ich plante einen Eroberungsfeldzug den Rhein hinauf, um die Eifel zu plündern!

(gleichzusetzten im etwa den Piraten aus Monty Pythons Meaning of Life – The Crimson Permanent Assurance, die auszogen um den Finanzzentren das Fürchten zu lehren … also bis auf das Ende dann hald)

Doch meine etwas gemäßigtere Mitstreiterin hielt mich vorerst davon ab. Sie überredete mich, doch noch weitere Angebote einzuholen.

Gesagt getan:

Nächster Versuch = umgehend eine Absage, alles voll … offenbar zu viele Piraten in der Gegend.

Weiterer – geistig der letzte – Versuch vor der Kaperfahrt in die Eifel … und dann …

Dem Monster sei Dank! … doch noch eine Unterkunft gefunden! Sehr nette und hilfsbereite Anbieterin.

Gepriesen sei unsere Herbergsgeberin! Ich werde sicherstellen, dass wir ihrer gedenken und einen Humpen des vulkanischen Gebräus auf ihr Wohl leeren werden. Sicherlich hatte das Monster seine nudeligen Anhängsel im Spiel und der mendiger Hotelleriebranche Albträume von wütenden, zurückgewiesenen Piraten beschert.

EGAL! Der Grund ist nebensächlich. Es zählt nur, dass der Pilgerfahrt nichts mehr im Wege steht!

VULKANBIER WIR KOMMEN!

GEPRIESEN SEI DAS MONSTER!

 

Quellen:

Prächtiges Piratenschiff (c) pixabay – mit freundlicher Unterstützung von pen_ash

The Crimson Permanent Assurance (c) Monty Python – bereitgestellt via vimeo durch EpicFilmsGlobal

e-mails (c) Martin Mager, Hotel Laacher Lay, ein nicht näher genannter Hotelier