Ramen, Volk! Mein Sohn Hugo und ich theologisierten erneut. Abends. Beim goldglänzenden Gerrstentee:

Die Übereinstimung unserer pastafarischen Symbolik mit der christlichen besorgte uns schon lang. Das Schweisstuch der Veronika (nicht zu verwechseln mit der fast gleichnamigen Bedienung im St. Pöltner Rajput, unserem Lieblingsort für pastafarische Libationen) z. B. bietet sich als bequeme Bandana an, wenn es sich nicht gerade um die viel zu groß geratene Turiner Fälschung aus dem 13. Jh. handelt. Dass die kultbelasteten öffentlichen Präsentationen des Turiner Tuchs in den letzten Jahren auffällig mit der Präsentation der heiligen Unterhose in Trier korrelierten, ist dem hochverehrten FSM übrigens genauso sch€l$$egal wie dieser Text, wofür es hoch gepriesen sei. Wir sehen es als Ansporn und fahren fort. Dem heiligen Rock aus Trier ersparen wir überhaupt die Erwähnung.

Der klassische Piratendreispitz lässt sogar symbolkundlich völlig Unbedarfte an das Auge Gottes denken und bedarf keiner weiteren Erklärung.

CUI BONO ??? Links: By Francisco Goya, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15761832. Rechts: Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8401469

Lediglich der Heiligenschein nimmt eine Sonderstellung ein, weil Ursprung und Bedeutung einer Diskussion bedürfen. Die Bronzeskulptur des Monsters aus Nebra, Sachsen-Anhalt, ist ja schon hinlänglich bekannt und die Imitation, wenn nicht sogar der Missbrauch unserer Symbolik damit seit der Bronzezeit hinlänglich bewiesen und unlängst auch publiziert worden.

Das Nudelsieb ist als klassische pastafarische Kopfbedeckung wahrscheinlich die bekannteste, nicht zuletzt, weil sie in den letzten Jahren immer häufiger auf veröffentlichten Ausweisen gesichtet wird. Wir setzten uns erst unlängst intensiv im Selbstversuch erfolgreich mit dem Thema auseinander.

Wenig beachtet wurde dagegen bisher die Tatsache, dass Spaghetti aus ihrer straighten, also steifen Form in der Wandlung durch das heilige, siedende Nudelwasser in eine wunderbar adaptierte Kreisform überführen lassen. Jeder Gläubige fühlt in energetikbefreiter Entspannung das Höchste scheibenförmig über sich schweben und spürt die sanfte Berührung der nudeligen Anhängsel. Dieses Mysterium monströser Theologie, nämlich wie es möglich ist, dass das Einmalige gleichzeitig alle Gläubigen sanft nudelig berührt, findet nach langer Medidation eine plausible Erklärung. Das FSM, Sein Name sei ewig gepriesen, wirft nach Bedarf aus seinem unendlichen Vorrat Nudeliger Anhängsel solche zum scheinheiligen Kreis gebogen für seine Heiligenscheinbedürftigen ab.

In alternativ- und pseudoesoterischen Kreisen meint der althergebrachte Begriff des Heiligenscheines oft eine sogenannte Aura. WKO-zertifizierte Arbeiter … also Energiearbeiter können oft (wer weiss das schon genauer?) eine verbeulte Aura wieder glätten. Das funktioniert durch Geld. Durch einen weltlichen Energieausgleich im Bereich einer Megawattstunde wird so eine Aura locker wieder heile. Besonders alternativintelligente Eltern erzeugen sog. Indigo-Kinder. Ein Indigo-Kind habe, so sagt diese alternative Religion, eine indigoblau leuchtete Aura. Diese Aura leuchte also mit einer Strahlung zwischen 425 und 450 Nanometer und habe den HTML-Farbcode #6F00FF. Soweit die Fakten. Unseren spirituellen Ansichten nach sind solche Ansätze jedoch wenig zielführend.

An dieser Stelle möchten wir bescheiden darauf hinweisen, dass der Theologienobelpreis als lang gehegtes Desiderat, sicher auch Alfred Nobels, endlich eingeführt werden sollte. Leider hat ausgerechnet die Österreicherin Bertha von Suttner mit ihrem religionsfeindlichen Pazifismus hier hindernd eingewirkt. Nur so wird verständlich, dass unsere theologischen Erkenntnisse nicht die entsprechende internationale Würdigung fanden.

Ramen.
(Hugo und Michael, Hochwürdene)

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