Was mir ein bisschen aufstößt ist, dass beim Verfahren zur Anerkennung der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters in Österreich als Entscheidungsbegründung die Rituale eines anderen Glaubens als Vorlage genommen wurden. Offenbar hat etwas bei uns noch nicht so ganz geklappt, wenn sich der Staat bei seinen Entscheidungen an dem Kanon und den Ritualen der bestehenden Kirche orientieren muss.
Wieso muss sich eine neue Glaubensgemeinschaft genauso verhalten wie eine alt eingesessene? Wer bestimmt nun, welche der vielen verschiedenen Glaubensgemeinschaften dieses Planeten DIE einzige Wahrheit darstellt und daher als Bauplan für alle weiteren herangezogen werden muss? Mir ist schon bewusst, dass in Österreich die größte vertretene Kirche die römisch katholische ist. Doch verstehe ich nicht, wieso diese das Maß aller Dinge darstellt!

Ganz im Gegenteil! Ich bin immer wieder verwirrt, wenn ich Diskussionen folge, in denen unser Glaube mit dem katholischen verglichen wird. In denen Begründungen, Interpretationen oder Handlungen an die katholischen Zaubervorstellungen angelehnt, verglichen oder nachgeahmt werden müssen.

Wer bestimmt, dass unsere Rituale denen der katholischen Kirche gleichen müssen? Wer bestimmt, dass wir uns regelmäßig treffen müssen? Wer bestimmt, dass eine reine Internetgesellschaft nicht ausreichend ist? Wieso dürfen wir nicht für uns selbst stehen? Wieso dürfen wir nicht für uns selbst unsere Ausübung des Glaubens bestimmen? Wieso muss sich der Staat bei der Rechtssprechung dem Diktat der katholischen Kirche beugen?

Gab es da nicht diese komische Sache, Säkularisierung oder so ähnlich? Die geistige Loslösung des Staats von der Kirche?