(Mitbruder Helmut bat mich, dieses Schlüsselerlebnis seines Lebens in unser Blog aufzunehmen. Hugo)

Liebe Geschwister im Glauben, bei der pastafarischen Séance am Freitag, den 10. Jänner 2020, muß das Monster, es sei dafür gepriesen, der gläubigen Runde ganz nah gewesen sein. Vielleicht hatte es als absolut geschlechtslos, oder besser noch allen je möglichen Geschlechtern angehörend, besonderes Interesse an der Gründung des pastafarischen Damenordens „Les Femmes Farfalles“. Jedenfalls stand plötzlich der Gedanke der religiösen Entstigmatisierung im Raum.

Für in ihrer Kindheit von der mosaischen oder islamischen Religion Vereinnahmte stellt das eine ziemlich riskante chirurgische oder zumindest masturbatorische Herausforderung dar. Exchristen haben es einfacher. Der Messdiener des Damenstifts Vater Michael brachte aus seinem umfassenden theologischen Wissen  den schon zehn Jahre alten Ritus der Fönenttaufung ins Spiel. Von der deutschen Splittergruppe unserer Kirche wird dieser Ritus regelmäßig vollzogen. Ob er auch gegen ihre pastafarischen Zwangstaufen hilft, entzieht sich meiner Kenntnis.

Für mich ist die Enttaufung ein schöner Anlass, meiner bürokratischen Nichtexistenz zu entfliehen. Der nebbichen S 7,50 Stempelmarke, die anlässlich meiner Verehelichung 1971 auf den nur für die Taufe gültigen Schmierzettel gepickt wurde, trau ich nicht recht. Zweieinhalb Jahre nach meiner angeblichen, aber nicht amtlichen Geburt wurde ich zur Ausfassung eines neuen, nur für die katholische Kirche gültigen Wischs, unter dem Vorwand, das fördere das Wachstum, gemeinsam mit meinem drei Jahre älteren Bruder mit Wasser übergossen. Vor 22 Jahren akzeptierte endlich der St. Pöltner Magistrat meinen Rücktritt von diesem Fehltritt. Die gut getarnte Dependance des Amtes zu finden war nicht einfach. Ich landete zuerst im Bezirksgericht. Die dort nach einem Amoklauf ihren Entwaffnungsdienst an Parteien versehenden Gendarmen konnten mir endlich eine exakte Wegbeschreibung geben und bedauerten, mich nicht gleich zu ihrer eigenen  Religionsbefreiung begleiten zu können.

Kaum von der Séance in der Osteria heimgekehrt, testete ich die Enttaufung nach der von R. Mondelaers perfektionierten Methode E. Kagins erfolgreich im heroischen Selbstversuch.
Auf die fönbegleitete Rezitation des Catullverses
„Odi et amo. Quare id faciam, requiris fortasse? Nescio, sed fieri Sentio et excrucior. (Aus carmen 85: Ich hasse und liebe. Du fragst vielleicht, warum ich das tue. Ich weiß es nicht, aber ich fühle, dass es geschieht und ich quäle mich.) “

reagierte mein Drucker prompt mit Ausspucken der Enttaufungsurkunde, die inzwischen den Monsterwinkel gleich neben dem Ordinationsdekret schmückt. Endlich kann ich frei zwischen den Geburtsjahren 1944, 1971 und 2020 wählen, Bierelujah. Falls unter exchristlichen Glaubensgeschwistern Interesse an einer Enttaufung besteht, packe ich zum nächsten Monsterdienst Fön und Catullverse ein. Natürlich werd ich meine amtliche Geburt mit Eurer Enttaufung mitfeiern.  Für die Renovierung exmosaischer oder exislamischer Glaubensbrüder reichen leider meine medizinischen Kenntnisse nicht aus, Arrrh…

R’amen

Euer Helmut Windl

Abbildungen:

Séance: phot. Martin Mager

Rest: Helmut Windl

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