Am 13. November fand ein Epic Rap Battle im Rahmen der Veranstaltungen des Humanistischen Verbandes Österreich in Wien statt:

Die Atheistische Religionsgesellschaft (ARG)
vs.
die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Österreich (KdFSMÖ).

Beide neureligiösen Möchtegernkirchen waren durch äußerst kompetente und charismatische Vertreter repräsentiert, die sachlich und freundlich ihre Standpunkte und die Entstehungsgeschichte ihrer Organisation darlegten.

Aber kann es überhaupt sein, dass ausgesprochen Ungläubige eine Religionsgesellschaft betreiben können? Eine atheistische Religionsgesellschaft ist doch ein Widerspruch in sich. Es kann doch keine Religion ohne Götter, welche man anrufen kann, geben, könnte man meinen. Wie geht dem?

Eine EU-Richtlinie stellt klar, dass es drei Gruppen von Religionen gibt:

  • Theistische Religionen,
  • nontheistische Religionen,
  • atheistische Religionen.

Theistische Religionen sind in unseren Breiten seit vielen Jahrhunderten bekannt. Wir alle sollten uns bereits an sie gewöhnt haben. Manche davon sind monotheistisch, manche davon sind polytheistisch. Nontheistische Religionen, wie z. B. den Buddhismus, kennt man bei uns erst seit dem Aufkommen des New Age. Sie werden oft von Esoterikjüngern (m/w), welche sich ihren eigenen Plastikglauben nach Gutdünken zusammenstellen, ausgeschlachtet und neu zusammengesetzt. Atheistische Religionen sind jedoch brandneu.

Die ARG legt in ihren Statuten dar, dass Menschen ihre Gottheiten erschaffen, nicht umgekehrt, und dass man folglich auf solche Konstrukte verzichten kann. Die ARG versucht, ohne Götter eine Transzendenz, also einen Bezug zu dem, was außerhalb des Erfahrbaren liegt, zu erzeugen und ohne dem Postulieren übergeordneter Wesen ein größeres Ganzes als den einzelnen nichtgläubigen Gesellschafter zu erkennen. Zum Pflegen von Ritualen und Traditionen sind übernatürliche Annahmen auch nicht nötig. Die ARG geht folglich davon aus, dass sich der Mensch seine Gesetze selbst macht. Diese Gesetze sind nicht in Stein gemeisselt bzw. in ein ROM gebrannt, sondern lebendig, veränderlich und können somit immerzu verbessert werden.

Die ARG behauptet jedoch nicht, dass der Atheismus eine Religion ist, obwohl sie eine atheistische Religion anbietet. Sie nimmt für sich in Anspruch, in Österreich eine religiöse Bekenntnisgemeinschaft zu sein, und wirbt für ihre eigene Weltanschauung.

Mit diesem Unterbau strebt die ARG es an, in Österreich als eine religiöse Bekenntnisgemeinschaft anerkannt zu werden, was mit dem Bekenntnisgemeinschaftengesetz („Bundesgesetz über die Rechtspersönlichkeit von religiösen Bekenntnisgemeinschaften“, BGBl. I Nr. 19/1998) ermöglicht wird. Dieses Gesetz regelt den Status religiöser Gruppen, welche noch nicht gesetzlich anerkannt sind. Das langfristige Ziel ist es, eine gesetzlich anerkannte Religionsgesellschaft zu werden. Um das erste Ziel zu erreichen, sind laut Gesetz 300 Mitglieder nötig, das zweite Ziel frägt nach 17.000 Mitgliedern. Seit ihrer Gründung im Jahre 2009 hat sie beinahe 200 Mitglieder akquirieren können.

Die KdFSMÖ, meine Kirrrche, (man bemerke meine Nichtneutrralität, die ich hierrmit offenlege) hat hingegen im Bereiche der theistischen Religionen Platz zu nehmen. Wir haben einen oder mehrere Götter, ein jeder Pirat hat eine oder mehrere Seelen, wir haben eine konkrete Jenseitsvorstellung, und wir haben überlieferte Riten. Als im Jahre 2005 unser Glaube unserem Propheten Bobby (Friede sei mit Ihm) neu offenbart wurde, begann er sich instantan über die Welt zu verbreiten. 2015 wurde der Pastafarische Verein zur Förderung der Gedanken an das Fliegende Spaghettimonster in Österreich gegründet, der die rechtlichen Schritte bis zur Installation einer pastafarianischen Bekenntnisgemeinschaft implementieren soll. Dieser Verein hat bis jetzt an die 666 Mitglieder und wächst wöchentlich. Ein Mitgliedschaftsantrag erwirkt eine automatische Beendung aller bisherigen Mitgliedschaften in anderen Religionen. (Ein Beweis der rechtlichen Stringenz dieses Versprechens steht noch aus.)

Bei der ARG und der KdFSMÖ handelt es sich also um zwei Neukirchen, die im gleichen Revier Menschen fischen wollen. Aber es verbindet sie mehr, als sie trennt: Beide Kirchen akzeptieren Mitglieder ab 14, also ab dem Eintreten der Religionsmündigkeit. Die KdFSMÖ hat seinerzeit das Antragsformular von der ARG kopiert und leicht abgewandelt. Auch sind die Statuten der KdFSMÖ von denen der ARG in höchstem Maße inspiriert – Piraten bleiben Piraten. Beide Gesellschaften haben bis jetzt nur eine minimale Hilfestellung vom Kultusamt erhalten. Während sich das Kultusamt mit der ARG wenigstens ein bisschen auseinandergesetzt hat und deren Bestreben zumindest irgendwie nachvollziehen kann, gibt es bei uns Pastafari überhaupt gar keine Gesprächsbasis sondern nur Ablehnung. Man kann fast glauben, dass uns eine steife Brise entgegen weht.

Es sind zwei äußerst interessante Religionsgemeinschaften entstanden. Aber welche von beiden soll man nun dem Unbedarften empfehlen? Gemein ist beiden Gruppen, dass sie für ihre Anerkennung durch den Staat Österreich hart zu kämpfen haben. Ich als gläubiger Pastafari muss den Nichtglauben den organisierten Atheisten nicht gutheissen, kann aber sagen, dass ihre weltlichen Ansichten höchsten Ansprüchen genügen.

Beachte: Wir Pastafari sind jedoch die einzigen mit einer Religion-zurück-Garantie: Probiere den Pastafarianismus einen Monat lang gratis aus. Wenn er dir nicht gefällt, nimmt dich deine alte Kirche gerne zurück!

Ramen, ich frage Euch: Welcher der beiden Religionen würdet ihr beitreten wollen?

Titelfoto:
Links: (c) Wilfried Apfalter, ARG
Rechts: (c) The Church of the Flying Spaghetti Monster Australia, https://www.facebook.com/pg/ozpastafarians