Gestern, am 6. Märrrz, hat Bruder Niko die Reise nach St. Pölten auf sich genommen, um sein neues Buch Ohne Bekenntnis vorzustellen. Seine zentrale Aussage ist:

Der Staat darf keine Wertung zwischen Religion und Nicht-­Religion treffen. Im Verdrängungswett­bewerb um kulturel­le Deutungshoheit darf er sich weder mit einer bestimmten Religion identifizieren noch mit Religion an sich.

Der Autor

Der Pastafari, Unternehmer, Publizist und ehemalige Politiker Niko Alm war Sprecher der Initiative gegen Kirchen-Privilegien und gründete die Laizismus-Initiative. Er ist auch Gründungsmitglied der Giordano-Bruno-Stiftung in Österreich und Vorsitzender des Zentralrates der Konfessionsfreien. Von 2013 bis 2017 war er Abgeordneter zum österreichischen Nationalrat bei den NEOS, wo er Sprecher für u. A. Netz- und Medienpolitik, Religion und Weltraumangelgenheiten war. Seit 2017 ist er Geschäftsführer der Rechercheplattform Addendum.

In religiösen Kreisen ist er durch sein Nudelsiebfoto bekannt geworden. Nachdem die Amtsärztin seine geistige Gesundheit bestätigen konnte, wurde seine religiöse Kopfbedeckung auf dem Führerscheinfoto staatlich abgesegnet. (Anm.: Heute ist es nicht mehr so einfach möglich, seine Religiösität in amtlichen Dokumenten zu zeigen, jedenfalls nicht für alle Religiösen!) Alms Nudelsieb wurde in einer Wanderausstellung des Jüdischen Museums München vierzehn Monate lang in Hohenems, Frankfurt am Main und München ausgestellt.

Das Buch

Das Buch Ohne Bekenntnis teilt sich in sechs Kapitel:

  1. Bruttoreligionsprodukt
  2. Problem Religion
  3. Die Marke Gott und religiöse Korrektheit
  4. Die Sonderbehandlung von Religion
  5. Als ob Gott nicht existierte
  6. Laizität und das Ende der Religionsfreiheit

Er las einige Auszüge, wonach eine Diskussion mit dem Abgeordneten zum Nationalrat Robert Laimer (SPÖ) und dem Publikum angedacht war.

Der Hauptteil seiner Kritik richtet sich an die Politik, nicht aber an die Religionen selbst. Die Politik habe dafür zu sorgen, dass alle Religionen sich nach allgemeingültigen Gesetzen richten und keine Sonderrechte erhalten, sodass eine freie Entfaltung aller Weltanschauungen gewährleistet werden kann. Ob die Religionen es schaffen, aus eigenem Antrieb modern und aufgeklärt zu werden, ist eine andere Frage. Das öst. Islamgesetz wurde als Beispiel für falsche und schlechte Gesetzgebung diskutiert.

Er geht darauf ein, dass es bezüglich der Religionen eine politische Überkorrektheit gibt. Religiöse Wehleidigkeit sei das zentrale religiöse Gefühl, aber nur, wenn die eigene Religion kritisiert wird. Ein Gutteil aller Religionsgesetzgebung ist deswegen das Schaffen von Ausnahmen und Sonderbehandlungen.

Kritik am Katholizismus kommt klarerweise nicht zu kurz, aber das Buch behandelt auch andere Religionen. Besonders spannend fand ich den Teil über den Buddhismus. Diese Fernost-Religion hat vor einigen Jahrzehnten den Westen erreicht. Bei uns ist es ein Lifestylebekenntnis Buddhist zu sein, nicht nur, wegen des allgegenwärtigen Celebrity-Buddhismus. Man muss auch sagen, dass der Buddhismus viel esoterischen Humbug und Pseudomedizin mitbringt.

Dieses Buch kommt auch mit einer Playlist, auf der sehr nette Musiken zu finden sind.

 

Ich frreue mich, es zu lesen.

Ramen.

Titelbild: (c) Niko Alm, http://alm.at/ohne-bekenntnis