Ramen, Gemeinde! Mit Freude drucken wir einen Gastbeitrag von Bruder Joseph über unsere Religionsphilosophie und über das Warum:

Unser Prophet Bobby (Ramen und Prost) hat im Evangelium auf die Großen Fragen geantwortet. Er ließ uns großzügig teilhaben an Seinem Wissen, aus welcher Nudelsorte das Fliegende Spaghettimonster besteht und wo Es sich aufhält. Ebenso fand er eine abschließende Antwort auf das althergebrachte FSM-Problem: wenn das FSM barmherzig ist, warum passieren guten Menschen böse Dinge? Mit diesen Fragen hat uns der Prophet gleichwohl geradezu hineingeworfen in die Situation der Pastafaris vor Ihm. In der modernen Gesellschaft stehen wir damit im Lichte des Propheten und müssen die Spannung des Zweifels und des Glaubens aushalten.

Keiner kann dem Zweifel und dem Glauben ganz entrinnen; für den einen wird der Glaube gegen den Zweifel, für den andern durch den Zweifel und in der Form des Zweifels anwesend. Es ist die Grundgestalt pastafarianschen Geschicks, nur in dieser unbeendbaren Rivalität von Zweifel und Glaube, von Anfechtung und Gewissheit die Endgültigkeit seines Daseins finden zu dürfen.

Die Absicht des heutigen „Wortes zum Freitag“ ist, den Glauben an Ihn neu zu verstehen, ohne den Propheten umständlich auszulegen oder ummünzen zu müssen, was oft in ein Gerede des Zweifels mündet, das nur mühsam eine völlige geistige Leere verdeckt.

Wichtig ist gemäß dem Evangelium, in Wahrung des undogmatischen Wesens des FSMismus die passende Botschaft für die Gläubigen zu wählen. Gemeinhin sind die Gläubigen nach Rentnern, Akademikern, Prominenten und Kindern zu unterscheiden. Diese Gruppen müssen maßgeschneiderte Botschaften erhalten. So kann nach der Erfahrung des Propheten bei unterernährten Prominenten bereits der Rat entscheidend sein, dass kohlehydratreiche Ernährung genau das richtige ist, womit sich ihr physisches und psychisches Wohlbefinden verbessern lässt. Er hebt daneben die Bedeutung der nächsten Generation für den Fortbestand der Überlieferung heraus. Glücklicherweise hat der Prophet in hellsichtiger Klarheit festgestellt, dass Kinder normalerweise leicht zum FSMismus zu bewegen sind: „Oft reicht schon die bloße Erwähnung von Piraten.“ (Evangelium)

Unsere Augenklappe bleibt jedoch die Erinnerung daran, dass andere die Welt nicht so sehen wie wir. Wir werden in den Piratengewändern aus der neuzeitlichen Karibik, aus der goldenen Zeit der Piraten vor zweitausendfünfhundert Jahren oder aus welcher Menschheitsepoche auch immer gar nicht ernst genommen. Der Pastafari kann sagen, was er will, er ist gleichsam etikettiert und eingeordnet durch seine Rolle.

Der Prophet erzählt mehrere Geschichten der Missionierung unter Christen, Muslime, Hinduisten, Buddhisten bis hin zu den Rastafaris als Beispiele für die Herausforderung, dass wir Seine Botschaft oft gar nicht bis zum wirklichen Gehör des Menschen bringen können. Natürlich weiß der Prophet – er hat uns selbst darauf hingewiesen –, dass es einfacher ist zu glauben als zu denken. Wer heute über die Sache des FSM vor Menschen zu reden versucht, die nicht durch Funktion oder Konvention im Innern des kirchlichen Redens und Denkens angesiedelt sind, wird sehr bald das Fremde und Befremdliche eines solchen Unterfangens verspüren. Er wird wahrscheinlich bald das Gefühl haben, seine Situation sei nur allzu treffend beschrieben in der Erzählung des Propheten über den Umgang mit Gläubigen anderer Religionen. Denn die meisten Menschen, die bereits über eine religiöse Überzeugung verfügen, meinen, es sei die richtige. Das läge, so der Prophet, daran, dass es den meisten großen Religionen gelungen sei, ihre Anhänger davon zu überzeugen, dass der Glaube an sich – die bloße Annahme ohne Beweis – etwas Gutes sei. Somit müsse man währen der Konversion – beispielweise eines Christen zum Pastafarianismus – den potentiellen Konvertiten nicht nur davon überzeugen, dass er an das FSM glauben soll, sondern ihn auch dazu bringen, gleichzeitig von jeglichem dogmatischen Glaubenssystem abzulassen. Denn: „Pastafaris lehnen jedes Dogma rundweg ab“ (Evangelium). Ich glaube, hier sind – bei aller Fremdheit der Einkleidung als Piraten in unserer heutigen Zeit in Mitteleuropa – SEINE Erwartungen an uns sehr präzis beschrieben.

Wie sehr sich auch die Nichtpastafaris gerechtfertigt fühlen mögen, es bleibt bei ihnen nach unseren Erklärungen des Pastafarianismus die Unheimlichkeit des „Vielleicht ist es doch wahr“. Das „Vielleicht“ ist die unentrinnbare Anfechtung, der sich der Nichtpastafari nicht entziehen kann, in der auch er in der Abweisung die Unabweisbarkeit des pastafarianischen Glaubens erfahren muss. Anders ausgedrückt: Der Glaubende wie der Ungläubige haben, jeder auf seine Weise, am Zweifel und am Glauben Anteil.

In der Fremdheit des FSMismus den Menschen unserer Zeit gegenüber wird der, der seine Sache ernst nimmt, nicht nur die Schwierigkeiten der Einkleidung und der Dolmetschung, sondern auch die Ungeborgenheit seines eigenen Glaubens, die bedrängende Macht des Unglaubens inmitten des eigenen Glaubenwollens erfahren und erkennen. So wird jemand, der heute redlich versucht, sich und anderen Rechenschaft vom pastafarischen Glauben zu geben, einsehen müssen, dass er gar nicht bloß der Verkleidete im Piratengewand ist, der sich nur umzuziehen bräuchte, um andere erfolgreich belehren zu können. Er wird vielmehr zu verstehen geben, dass seine Situation sich gar nicht so vollständig von derjenigen der anderen unterscheidet, wie er anfangs denken mochte. Er wird innewerden, dass in beiden Gruppen die gleichen Mächte anwesend sind, wenn auch freilich in jeweils unterschiedlichen Weisen. Zunächst: Im Pastafarianismus gibt es die Bedrohung der Ungewissheit, die in Augenblicken der Anfechtung mit einem Mal die Brüchigkeit des Ganzen, das ihm gewöhnlich so selbstverständlich scheint, hart und unversehens in Erscheinung treten lässt.

Das heißt: In einer scheinbar völlig bruchlos verfugten Welt des Evangeliums wird hier jählings einem Menschen der Abgrund sichtbar, der unter dem festen Zusammenhang der tragenden Konventionen lauert. In einer solchen Situation steht dann nicht mehr dies oder jenes zur Frage, um das man sonst vielleicht streitet – Garfreitag ganz oder nicht, Monsters Himmelfall so oder anders, Ramendan richtig oder nicht –, all das wird völlig sekundär. Es geht dann wirklich um das Ganze, alles oder nichts. Das ist die einzige Alternative, die bleibt (abgesehen von den alternativen Theorien des Evangeliums), und nirgendwo scheint ein Grund sich anzubieten, auf dem man sich in diesem jähen Absturz dennoch festklammern könnte. Nur noch die bodenlose Tiefe des Nichts ist zu sehen, wohin man auch blickt. Wir brauchen hier aber nicht den Verschlingungen alternativer Theorien nachzugehen. Wir können vielmehr zu unserer eigenen Situation in der Gegenwart vor Ihm, Seinen Erklärungen und Seinem Halt zurückkehren und darauf bauen, dass der Mensch erheblich mehr Nudelige Berührung erfährt, als gemeinhin angenommen wird.

Wir können sagen: Wenn der Pastafari nur immer über dem Ozean der unsicheren Piratengewässer, der Anfechtung und der Fragwürdigkeiten seinen Glauben vollziehen kann, den Ozean der Ungewissheit als den allein möglichen Ort seines Glaubens zugewiesen erhalten hat, so ist doch umgekehrt der Ungläubige nicht undialektisch als bloß Glaubensloser zu verstehen. So wie wir bisher im Evangelium erkannt hatten, dass der Pastafari nicht fraglos dahinlebt, sondern stets vom Absturz ins Nichts bedroht ist, so werden wir jetzt das Ineinandergeschobensein der menschlichen Geschicke anerkennen und sagen müssen, dass auch der Nichtpastafari keine rund in sich geschlossenen Existenz darstellt. Denn wie forsch er sich auch immer gebärden mag, die geheime Ungewissheit, ob sein Gott wirklich das letzte Wort habe, wird ihn doch nie verlassen. Wie es dem Pastafari geschieht, dass er vom Salzwasser des Zweifels gewürgt wird, das ihm der Ozean fortwährend in den Mund spült, so gibt es auch den Zweifel des Ungläubigen an seiner Ungläubigkeit, an der wirklichen Totalität der Welt, die zum Totum zu erklären er sich entschlossen hat. Er wird der Abgeschlossenheit dessen, was er gesehen hat und als das Ganze erklärt, nie restlos gewiss. Sondern er bleibt von der Frage berührt, ob nicht der pastafarischanie Glaube das Wirkliche sei und es sage. Erst in der Abweisung des pastafarianischen Glaubens wird die Unabweisbarkeit des pastafarianischen Glaubens sichtbar. Mit einem Wort – es gibt keine Flucht aus dem Dilemma des Menschseins.

RAmen.

Joseph Capellini (nach der Lektüre der „Einführung in das Christentum“ von Joseph Ratzinger, das 1968 mit kirchlicher Druckerlaubnis erschienen ist)

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Joseph Capellini
Joseph Capellini
28 Tage zuvor

Wer vergleichen mag, findet auf S. 33 der „Einführung in das Christentum“ von Joseph Ratzinger das gleichnamige erste Kapitel „Zweifel und Glaube“, das 1968 mit kirchlicher Druckerlaubnis erschienen ist. Habe ich damit das Niveau des „Jahrhundert-Theologen“(Die Tagespost über Ratzinger) erreicht?

Bonafide
Bonafide
28 Tage zuvor

BRAVO!

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