Von Hugo:

In den heißen Tagen der vorletzten Woche erinnerte ich mich an die Selbstverständlichkeit meiner Kindheit und Jugend, ein an allen vier Ecken verknotetes, angefeuchtetes Schneuztuch zum Schutz vor der prallen Sonne auf dem Kopf zu tragen. Besonders penible Typen verwendeten dazu frisch gewaschene und gebügelte Exemplare. Vor den Lagerhäusern einer christlich geprägten Genossenschaft sah man zur Erntezeit lange Schlangen von Traktorgespannen ertragablieferungswilliger, fest im Sattel ihrer Schlepper sitzender Agronomen mit besagtem Sonnenschutz auf dem Kopf. Auch der Niederösterreichische Altlandeshauptmann Andreas Maurer wurde in dieser Adjustierung gesichtet.

Glaubensfeste Pastafari werden diese Kopfbedeckung spontan mit der piratischen Bandana assoziieren, die hauptsächlich einfach am Hinterkopf verknotet wird. In einer rumunterstützten Experimentreihe, Arrh… gelang mir der Nachweis der Möglichkeit beider Verknotungsarten an ein und demselben Tuch. Für die Experimente verwendete ich ein unüblich nichtkariertes, dafür aber mit piratischen Motiven bedrucktes, was meine Motivation und den Rumverbrauch erhöhte. Zu einer Wiederholung des Experiments vor Zeugen bin ich jederzeit bereit, falls die Zeugen den unbedingt nötigen Rum beisteuern, Arrrh… Bei den Tüchern ist binnenländische Herkunft zulässig, bei Rum sollte sie karibisch sein.

Als ich mich unlängst in einer dieser fast immer parteipolitisch endenden, sinnlosen Kopftuchdebatten gegen die offen sexistische Diskriminierung des Männerkopftuchs wehrte, konnte ich tatsächlich die Richtung ändern. Netterweise wies mich ein FB-Freund darauf hin, dass besagte Genossenschaft mit der Verteilung von firmenlogogeschmückten Gratiskappen und gleichzeitiger Förderung der Zellstoffindustrie zur Produktion von Einmalschneuztüchern in den 70igern d. v. Jhs. gezielt auf die Obsolenz von Piratentüchern zielte. Die Produktion billigster Pseudostrohhüte aus Kunststoff tat ein Übriges.

Seefahrende Nationen halten hingegen weiterhin auch am vierfach verknoteten Kopftuch fest.

Bekannte Inselbewohner

 

Eine weitere Verschwörungstheorie geht von piratischer Dreispitztradition in Brandenburg aus. Bei Quellenstudien wird man sogar in Wikipedia diesbezüglich fündig und eines besseren belehrt. Den bekanntesten Piraten an Nord- und Ostsee, den Vitalienbrüdern, war das Tragen von Dreispitzen aus praktischen Gründen unmöglich und erscheint in keiner zeitgenössischen Quelle. Im kopflosen Zustand hätte sich auch die Bandana erübrigt, im genagelten wär sie ideal fixiert worden. Das könnte natürlich auch für einen durch steife Brisen gebeutelten Dreispitz nicht 100%ig ausgeschlossen werden. Das Risiko, der Sichtbehinderung der noch sehenden Augen durch den ständig davor flatternden Hut wär jedoch enorm. Andererseits wär der noch aus dem Schädel herausragende Nagelabschnitt ein Argument für eine ewas stärker auftragende Kopfbedeckung als es eine Bandana normalerweise ist. Um mir den Vorwurf der Erbsenzählerei zu ersparen, verzichte ich auf die Argumente für einen Turban, mit dem ich persönlich gute Erfahrung hab, der aber im Norden erst rezent in statistisch überhaupt fassbarer Menge auftritt.

By r_gassenhower – Staatsarchiv Hamburg, Signatur: 720-1_241-07 = 1402.11, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2768606

Von Michail Jungierek – Own Work, Ausstellungsstück im Museum für Hamburgische Geschichte, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=746340

Meine piratisch zulässige Lieblingssommerkopfbedeckung

Ihr seht, dass die piratische Tradition viel stärker im Kopftuch fortlebt als im verstaubten Dreispitz, liebe Schwestern und Brüder. Selbst das Nudelsieb wird häufiger genutzt als der Dreispitz, der sogar bei Pompfüneberern ausgedient hat. Deshalb verzichtet doch außer zu Maskenbällen auf das Plündern von Kostümverleihen. Plüdern ist zwar ein schöner alter Piratenbrauch, nach Mottenkugeln müffelnde, unbequeme altmodische Kleidung kann aber wirklich nicht als standesgemäße Beute herhalten.

Zu den besonderen Anlässen hab ich mich schon einmal geäußert. So nebenbei bietet sich mit der Störtebeker-Brauerei in Stralsund auch ein Wallfahrtsziel für Pastafari an der Ostsee an.

As heuriger Sieger im internationalen Craftbeerbewerb verdient die Brauerei den Platz gleich hinter dem Biervulkan unter den pastafarischen Wallfahrtsorten. Nudelmanufakturen und -fabriken und die damit verbundene Riten gibt es weltweit haufenweise, Vulkan- und Piratenbier meines Wissens nur an zwei Orten. Die Rhönpiraten und das Berliner Pirate Brew scheiden mit ihren wenig bis garnicht wissenschaftlich fundierten Brands aus.

Euer grübelnder

Hugo