Menschen verschiedener Glaubensrichtungen sind je nach gesellschaftlichem Umfeld und dort vorherrschender Glaubenslehre verschiedenen diskriminierenden Zuschreibungen und Vorurteilen ausgesetzt. Wir Pastafaris haben in Österreich die Erfahrung gemacht, dass wir von Angehörigen größerer Glaubensgemeinschaften wie teilweise auch von Atheist*innen und Agnostiker*innen schlicht in unserem Glauben nicht ernst genommen werden. Fast jedes Mal, wenn die Sprache auf unsere Religion kommt, bekommen wir in verschiedenen Abwandlungen zu hören: „Ein lustiges Projekt, aber ganz ehrlich, das ist doch eine Spaßreligion?!“, oder, noch schlimmer: „Findest du das nicht unsensibel gegenüber den Leuten, die wirklich an ihre Religion glauben?“

Diese Form der Diskriminierung mag nicht verletzend gemeint sein (wie Diskriminierungen so oft „gut gemeint“ sind), aber sie hat weitreichende Folgen. So ist es vielen Pastafaris im beruflichen oder familiären Umfeld unangenehm, über ihre Religion zu sprechen, manche empfinden es als regelrechtes Outing, sich zum Fliegenden Spaghettimonster zu bekennen, oder fühlen sich gar gezwungen, ein Doppelleben zu führen. Diejenigen von uns, die ihren Glauben offen leben, sehen sich einem ständigen Rechtfertigungsdruck ihrem nicht-pastafarischen Umfeld gegenüber ausgesetzt. Kein Wunder, dass sich zunehmend pastafarische Parallelgesellschaften bilden, in denen wir unseren Glauben frei leben können! Dennoch kann es nicht das Ziel einer demokratischen und toleranten Gesellschaft sein, dass sich Angehörige verschiedener Religionsgemeinschaften voneinander abschotten, vielmehr wollen wir in einer konfessionsgemischten Gesellschaft leben, in der wir uns alle mit unserem privat gelebten Glauben wohlfühlen und an weltanschaulichen Diskursen teilnehmen können.

Die Zuschreibung, dass es sich beim Pastafarianismus um eine Spaßreligion handle, setzt viel früher an als die inhaltliche Kritik an anderen Glaubenslehren: Wird eine Katholikin für die Unglaubwürdigkeit der christlichen Schöpfungsgeschichte oder für die intoleranten Praktiken ihrer Kirche kritisiert, so steckt dahinter immerhin die Akzeptanz, dass sie tatsächlich daran glaubt, wozu sie sich bekennt, und auf dieser Basis kann weiter argumentiert werden. Wir dagegen werden von solchen Diskursen von vornherein ausgeschlossen, obwohl wir gerne zu inhaltlichen Gesprächen über unsere Lehre bereit wären.

Eine atheistische Person, die uns als Spaßreligion sieht, würde diesen Vorwurf einem Christen gegenüber sicher nicht wagen, auch wenn der christliche Glaubensinhalt für Außenstehende nicht weniger absurd anmuten kann als vielleicht das Fliegende Spaghettimonster. Das liegt daran, dass viele von uns mit dem Christentum in unmittelbarer Umgebung aufgewachsen sind oder sogar christlich sozialisiert wurden, und an der historischen christlichen Vorherrschaft und den damit verbundenen Machtstrukturen in Österreich.

Gleichzeitig steckt in der abwertenden Verwendung des Begriffes „Spaß“ eine weitere Form der Diskriminierung, die die Eigenarten unserer Religionsausübung betrifft: Für Kenner*innen älterer Religionen ist es anscheinend verstörend, dass eine Religion auch genussbetonte Züge aufweisen kann, wie es sich in unserem Nudel- und Bierkonsum äußert, und dass wir als moderne Religion häufig zu aktionistischen Mitteln greifen. Diesbezüglich sei daran erinnert, dass es (solange andere nicht darunter leiden) keine falsche Art, die eigene Religion auszuüben, geben kann, in einer pluralistischen Gesellschaft nicht geben darf.

Wir rufen Angehörige aller Glaubensgemeinschaften und Nicht-Gläubige dazu auf, sich auf die Bedeutung von „Glauben“ im Gegensatz zu „Wissen“ oder „Tatsachenbehauptung“ zu besinnen. Der magische, der faszinierende Moment am Glauben (woran auch immer) ist gerade das Verlassen der wissenschaftlichen Sphäre, in der es angemessen ist, Zweifel an Unwahrscheinlichem anzumelden. Unser Glauben dagegen ist eine persönliche und intime Angelegenheit, und ihn in Zweifel zu ziehen, ist jedes Mal wieder eine Erschütterung dieses höchst privaten Raumes.

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