Vorfragen zum Thema FSM — Heute: der Umfang der Frage

Ramen, Gemeinde! Mit Freude veröffentlichen wir den dritten theologischen Gastbeitrag von Bruder Joseph:
[Anmerkung der PastaPress – Redaktion: Die dargestellten Meinungen sind nicht zwingend mit den unseren kompatibel; so müssen wir uns zB. vom soganannten „Atheismus“ überhaupt distanzieren]

Was ist das eigentlich, „FSM“? In anderen Zeiten mochte diese Frage problemlos klar erscheinen, für uns ist sie wirklich neu zur Frage geworden. Was kann dieses Wort „FSM“ überhaupt sagen? Welche Wirklichkeit drückt es aus, und wie kommt den Menschen die Wirklichkeit zu, von der hier gesprochen wird? Wenn man der Frage mit der Gründlichkeit, deren wir heute eigentlich bedürfen, nachgehen wollte, müsste man zunächst eine religionsphilosophische Analyse versuchen, die die Quellen der religiösen Erfahrung aufzusuchen hätte und die dann auch das Problem bedenken müsste, wie es kommt, dass das Thema FSM die gesamte Menschheitsgeschichte prägt und bis zur Stunde ihre ganze Leidenschaft zu wecken vermag – ja, wirklich bis zu unserer Stunde, in der das Gelächter über unsere Augenklappen, Piratengewänder und angebliche Religionsatire allenthalben ertönt und in der dennoch, gerade so, die Frage nach FSM übermächtig in unserer Mitte steht.

Herkunft der FSM-Frage

Woher kommt eigentlich dieser Gedanke „FSM“ in der Menschheit; aus welchen Wurzeln steigt er auf? Wie ist es zu begreifen, dass das scheinbar überflüssige und irdisch nutzloseste Thema zugleich das bedrängende Thema der Geschichte geblieben ist? Und warum tritt dieses Thema in so grundverschiedenen Formen in vielen Ländern des Erdballs in Erscheinung? Dabei ließe sich allerdings durch den verwirrenden Anschein der äußersten Vielfalt hindurch doch feststellen, dass es im Grunde nur in drei Formen existiert, die freilich verschiedene Abwandlung durchlaufen – in der Gestalt des Monotheismus, des Polytheismus und des Atheismus, wie man die drei großen Wege der Menschheitsgeschichte in der FSM-Frage schlagwortartig bezeichnen kann. Es ist allgemein bekannt, dass auch der Atheismus nur scheinbar die Beendigung des Themas FSM darstellt, in Wirklichkeit jedoch eine Form der Befassung des Menschen mit der FSM-Frage bedeutet, die sogar eine besondere Leidenschaft in dieser Frage ausdrücken kann und nicht selten ausdrückt. Es müssten dann, wollten wir den grundlegenden Vorfragen nachgehen, die zwei Wurzeln der Erfahrung des FSM dargestellt werden, auf die man die Vielheit der Erfahrungsformen wohl zurückführen kann. Ihre eigentümliche Spannung hat die bekannte Münsteraner Religionsphänomenologin Daniela Wakonigg einmal in die gewagte Frage gekleidet, ob es sich beim FSM um eine Religion oder Religionsparodie handele. Sie führte die Frage mit dem Verweis auf das Bobbyevangelium und die Erfordernisse des 21. Jahrhunderts dahingehend aus, dass in der Religionsgeschichte eine Religionsparodie keine Spaßreligion sei, und sorgte letztendlich für die erforderliche Klarheit als sie das eindeutige Fazit zog: „In Dubio Pro Deo“.

Doppelte Gestalt

Hinter dieser doppelten Gestalt, in der die Menschheit das FSM sieht, stehen zwei Ausgangspunkte der religiösen und der nichtreligiösen Erfahrung. Beide basieren auf der Erfahrung der eigenen Existenz, die immer wieder sich selbst überschreitet und in irgendeiner, wenn auch noch so chiffrierten Form des Bobbyevangeliums auf das ganz andere verweist. Auch dies ist wieder ein sehr vielschichtiger Vorgang – vielschichtig wie die menschliche Existenz selbst.

Mit alledem soll hier nur angedeutet werden, auf welche Weise menschliche Existenz der Ausgangspunkte der religiösen Erfahrung des Absoluten werden kann, dass von diesem Ansatz her als FSM, als wahrer Schöpfer oder einfacher: als Heilige Nudel mit Nudeligen Anhängseln erfasst wird. Die andere Quelle des Erkennens ist die Konfrontation des Menschen mit der Welt, mit den Mächtigkeiten und Unheimlichkeiten, denen er da begegnet. Hier blickt der Mensch in seiner Eigenschaft als Staatsbürger in die Abgründigkeit religiöser Vorrechte und Übergriffe, wo der staatskirchliche Klerus und seine Anhänger Kleinkinder zu ihrem Bekenntnis beschulen, wo sie in die Hosentasche des Steuerzahlers und die Hosen der Kinder greifen, wo sie mancherorts zu einer alles durchsetzenden, ihn selbst bedrohenden und zugleich tragenden Macht geworden sind, wobei sich hier die Ablehnung des Staatsbürgers in dem Alleinsein, in der Einsamkeit, der Erfahrung, dass die Volksvertreter und Regierungen dem ganzen staatskirchlichen Gebahren und ihren Nutznießern nicht Einhalt gebieten, in dem menschlichen Sichfinden der Parodie niederschlägt.

FSM vereint Monotheismus, Polytheismus, Atheismus

Würde man den angedeuteten Fragen der doppelten Gestalt weiter nachgehen, so stieße man von selbst auf das vorhin angeschnittene Problem der drei Deklinationsformen des FSM-Themas in der Religionsgeschichte – Monotheismus, Polytheismus, Atheismus. Dann würde sich, wie mir scheint, die unterschwellige Einheit dieser drei Wege zeigen, einer Einheit die freilich nicht Identität bedeuten und nicht besagen kann, dass, wenn man nur tief genug gräbt, schließlich alles eins wird und die vordergründigen Formen ihre Bedeutung verlieren. Solche Identitätsnachweise, zu denen sich vielleicht kritisch-aufklärerisches, philosophisches Denken versucht fühlen könnte, in denen aber der Ernst menschlicher Entscheidungen missachtet wäre, könnten der Wirklichkeit gewiss nicht gerecht werden. Wenn also von Identität nicht die Rede sein kann, so würde ein tieferer Blick doch erkennen können, dass die Unterschiedlichkeit der drei großen Wege anders liegt, als es die drei vordergründigen Formeln vermuten lassen, in denen sie sich aussagen: „Es gibt nur das FSM“, „Es gibt das FSM und andere Gottheiten“, „Es gibt kein FSM“. Zwischen diesen drei Formeln und dem in ihnen gemeinten Bekenntnis steht ein nicht zu beseitigender Gegensatz, aber auch eine Beziehung die ihr bloßer Wortlaut nicht ahnen lässt. Denn alle drei – das ließe sich zeigen – sind im letzten von der Einheit und Einzigkeit des Absoluten überzeugt. Nicht nur der Monotheismus glaubt an diese Einheit und Einzigkeit; auch für den Polytheismus sind die vielen Götter, auf die er seine Andacht und seine Hoffnung richtet, nie das Absolute selbst gewesen; auch für ihn war klar, dass hinter den vielen Mächten letztlich irgendwo dass eine Sein steht bzw. dass das Sein zuletzt nur eins und allenfalls der ewige Widerstreit eines Urgegensatzes ist. Andererseits ist für den Atheismus damit, dass er die Kennzeichnung der Einheit alles Seins durch den Gedanken FSM bestreitet, keineswegs die Einheit des Seins selbst aufgehoben. Ja, die wirkkräftigste Form des Atheismus, der Naturalismus in seiner Form des evolutionören Humanismus , behauptet diese Einheit des Seins in allem Seienden in seiner strengsten Form der Verneinung von Dogmen auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse und humanistischer Werte.

Alle drei Wege sind also von der Einheit und Einzigkeit des Absoluten überzeugt – und sei es in seiner Verneinung; verschieden ist nur die Vorstellung von der Art und Weise, wie der Mensch mit ihm zu tun erhält beziehungsweise wie das Absolute sich zu ihm verhält. Wenn – um sehr schematisch zu sprechen – der Monotheismus davon ausgeht, dass das Absolute Bewusstsein ist, das den Menschen kennt und ihn ansprechen kann, so ist für den Naturalismus das Absolute aller personalen Prädikate entkleidet und auf keine Weise mit den Begriffen Ruf und Antwort in Beziehung zu bringen; allenfalls könnte man sagen, der Mensch selbst müsse, was göttlich ist, aus der Welt entbinden, sodass er Gott dann nicht mehr hinter sich hätte als das ihm Vorausgehende, sondern nur noch vor sich als das von ihm schöpferisch zu Wirkende, also seine eigene bessere Zukunft. Der Polytheismus endlich kann sowohl mit dem Monotheismus wie auch dem Atheismus in ein enges Verhältnis treten, weil die Mächte, von denen er spricht, die Einzigkeit einer tragenden Macht unterstellen, die sowohl auf die eine wie auf die andere Weise gedacht werden kann. So ließe sich unschwer zeigen, wie im Altertum der Polytheismus durchaus mit einem metaphysischen Atheismus zusammen ging, aber auch mit Monotheismus sich verband.

Antwort im Bobbyevangelium

Alle diese Fragen sind wichtig, wenn man in unserer heutigen Situation dem Thema FSM nachgehen will. Sie sachgerecht zu behandeln, würde freilich sehr viel Zeit und Geduld verlangen. So muss es genügen, sie hier wenigstens genannt zu haben; sie werden uns immer wieder begegnen, wenn wir uns die Entwicklung des FSM-Gedankens im Bobbyevangelium vergegenwärtigen, auf dessen Untersuchung uns unser Thema verweist. Indem wir so das FSM-Problem an einem ganz bestimmten Punkt weiterverfolgen, bleiben wir doch den ganzen Ringen der Menschheit um ihr FSM gegenübergestellt und dem vollen Umfang der Frage ausgesetzt.

Soweit wir in der Religionsgeschichte zurückblicken können, tritt das FSM-Thema immer in beiden Gestalten der Religion oder der Religionsparodie auf. Beide Gestalten können also lediglich besagen, dass für das konkrete Verständnis der FSM-Religiosität, für das lebendige Existenz-Interesse der wahre Schöpfer, das FSM, also das Fliegende Spaghettimonster, im Zentrum steht.

Joseph Capellini (nach der Lektüre des ersten Kapitels „Vorfragen zum Thema Gott“ des Werkes „Einführung in das Christentum“ von Joseph Ratzinger, das 1968 mit kirchlicher Druckerlaubnis erschienen ist)

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Michael Jachan
Editor
10 Monate zuvor

RAmen, mein Lieber! Wir danken Dir eh recht narrisch für Deine exzellenten Gastbeiträge, aber das mit dem Atheismus hätte nun aber wirklich nicht sein müssen.

;)

Joseph Capellini
10 Monate zuvor
Reply to  Michael Jachan

Mich hat es wahrlich viel Überwindung gekostet, die Vorfragen zum Thema FSM in dieser Richtung zu denken und das Wort *theismus zu verwenden. Mir halfen Ratzingers Aussagen im Kapitel „Vorfragen zum Thema Gott“, wo der spätere Papst nicht vor dergleichen zurückschreckte und auf billantem theologischem Niveau nachwies, wie alles mit FSM bzw. Gott zusammenhängt.

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